Das ganze Wesen des Menschen, Geist, Seele und Leib

Gerd Kujoth


1.     Die Dreiheit in der Einheit

Paulus schreibt im Thessalonicherbrief (1.Thess. 5,23) vom Geist, der Seele und dem Leib als dem ganzen Wesen des Menschen. Was Paulus in diesem Brief als eine volle Wahrheit geschrieben hat, wird heute zumeist nicht mehr als wahr erkannt. Aber was Geist, Seele und Leib sind, das erfahren wir nicht aus der Bibel, außer in einigen Bruchstücken. In der Neuoffenbarung durch Jakob Lorber dagegen sind uns viele tiefgehende Wahrheiten darüber offenbart worden.

Das Wesen des Menschen besteht, obwohl es nur ein Mensch ist, aus einer Dreiheit, aus Geist, Seele und Leib. Jesus sagt: „Siehe, der Mensch ist ganz nach dem Ebenmaße Gottes erschaffen, und wer sich selbst vollkommen kennen will, der muss wissen und in sich erkennen, dass er als ein und derselbe Mensch eigentlich auch aus drei Persönlichkeiten besteht!“ (8 GEJ 24,6) Doch da wir Menschen nur unseren Leib sehen und anfassen können und keinen Beweis für die Existenz von Seele und Geist haben, können viele nur schwer oder auch gar nicht glauben, dass der Mensch mehr ist als nur der Leib. Seele und Geist halten sie nur für Funktionen des Körpers, als chemische Vorgänge in ihm, und da soll die Seele den Gefühlen und der Geist dem Verstand des Menschen entsprechen.

Aber Seele und Geist sind mehr als nur chemische Vorgänge des Körpers. Wer ein Nahtoderlebnis oder ein Out-of-Body-Erlebnis hatte, der weiß mit Sicherheit, dass er mit seinem Bewusstsein nicht sein Körper ist, weil er aus seinem Körper heraustrat und ihn wie tot oder schlafend da liegen gesehen hat. Sein Seelenleib, der heraustrat, war nicht etwas Unsichtbares, denn auch diesen konnte er mit seinen Seelenaugen sehen mit allem, was dazugehört, mit Armen, Händen und Beinen. Wer das nicht erlebt hat, kann es nur denen, die es erlebt haben, glauben. Oder wir glauben es denen, welchen es von Gott geoffenbart worden ist, dass wir eine Seele und einen Geist haben, ja dass wir Seele und Geist sind und nur einen Körper haben, genauso wie wir ein Kleidungsstück anhaben. Wie wir abends, wenn wir zu Bett gehen, die Kleidung ausziehen, so zieht auch die Seele samt Geist im Schlaf den Körper aus, damit sie sich von ihm erholen kann. (4 GEJ 54,7) Wir verlieren dann unser Bewusstsein im Körper, weil sich die Seele im Schlaf vom Körper zurückzieht, denn der Leib als Ganzes hat für sich kein Bewusstsein, wohl aber ist Bewusstsein in einem jeden einzelnen Atom des Leibes vorhanden.

Es war eines der Hauptzwecke des Lehramtes Jesu, (11.GEJ 10,8) die Menschen über ihre Seele und ihren Geist und deren Einswerdung zu belehren und ihnen zu zeigen, wie das erreicht werden kann. Gott, der Mensch und alles, was Gott geschaffen hat, bestehen aus einer Dreiheit. Jesus sagt dazu: „Ihr merket an jedem Dinge, so ihr nur ein wenig aufmerksam sein wollet, und an jeder Sache ein unterscheidbares Dreifaches: Das Erste, das euch in die Augen fällt, ist doch sicher die Außenform; denn ohne diese wäre kein Ding und keine Sache denkbar und hätte auch kein Dasein. Das Zweite aber, so das Erste einmal da ist, ist offenbar der Inhalt der Dinge und der Sachen; denn ohne den wären sie auch gar nicht da und hätten auch keine Form oder Außengestalt. Was ist denn nun das Dritte zum Dasein eines Dinges oder einer Sache ebenso Notwendige wie das Erste und Zweite? Sehet, das ist eine innere, jedem Ding und einer jeden Sache innewohnende Kraft, die den Inhalt der Dinge und Sachen gewisserart zusammenhält und das eigentliche Wesen desselben ausmacht. Und weil eben diese Kraft den Inhalt und somit auch die Außenform der Dinge und Sachen ausmacht, so ist sie auch das Grundwesen von allem wie immer gearteten Dasein, und ohne sie wäre ebenso wenig ein Wesen, ein Ding oder eine Sache denkbar wie ohne einen Inhalt und ohne eine äußere Form.“ (8.GEJ 25,1)

Nun könnte eingewendet werden, dass z.B. ein Stück Metall keine dreifache Struktur, sondern nur eine einfache habe, die durchwegs aus einem gleichen Metall bestehe. Wo wäre dann bei einem Stück Metall eine dreifache Struktur vorhanden? – Die Dreiheit des Metalls liegt im Inneren eines jeden Atoms dieses Metalles, nämlich in der Atomhülle, in dem Atomkern und in der Kraft, die das Atom zusammenhält. „Gehen wir nun zu unserer Seele zurück!“, sagt Jesus, „Die Seele muss des sicheren und bestimmten Daseins wegen einmal eine Außenform, die eines Menschen nämlich, haben. Die Außenform ist demnach das, was wir den Leib oder auch das Fleisch nennen, ob noch materiell oder vergeistigt substantiell, das ist da ganz einerlei. Ist aber die Seele als ein Mensch der Form nach da, so wird sie auch einen der Außenform entsprechenden Inhalt haben. Dieser Inhalt oder innere Körper der Seele ist ihr eigenes Lebenswesen selbst, also die Seele. Ist das alles aber da, so ist auch die Kraft da, die die ganze Seele bedingt, und diese ist der Geist, der am Ende alles in allem ist, da es ohne ihn unmöglich eine gediegene Substanz (der Seele) und ohne diese auch keinen Leib und somit auch keine Außenform gäbe. Obschon aber die drei wohl unterscheidbaren Persönlichkeiten im Ganzen nur ein Wesen sind, so müssen sie aber dennoch eigens als unterscheidbar benannt und erkannt werden.“ (8.GEJ 25,3-6)

 

2.     Das Vierte in einem jeden Dasein

Das Ei besitzt auch ein unterscheidbares Dreifaches, nämlich die Schale, das Weiße, und das Gelbe. Dabei entspricht die Schale dem Leib, das Weiße der Seele und das Gelbe dem Geist. Da hätten wir also das Ei, aber aus diesem Ei kann niemals ein Küken schlüpfen. Da fehlt nämlich noch etwas. Das ist dann das Vierte, das aber nur bei einem befruchteten Ei vorhanden ist und das ist das rötliche Lebensknäulchen. „In allem Naturmäßigen“, sagt Jesus, „steckt Geistiges, Himmlisches und Göttliches.“ (5.GEJ 272,13) Jesus spricht hier von einer vierfachen Struktur und da entspricht erstens das Naturmäßige dem Leib, zweitens das Geistige der Seele, drittens das Himmlische dem Geist und viertens das Göttliche dem Gottesgeist. Jesus sagt: „Mit den Augen des Fleisches nehmet ihr wahr Dinge außer euch; mit den Augen der Seele in euch, und mit den Augen des Geistes schauet ihr aus dem Zentrum der Dinge und so auch eures Wesens. Aber erst durch den Hinzutritt Meines Geistes werden alle Dinge sprachfähig und lebendig durch und durch.“ (1.Hi. Seite 55,12) Die vierfache Gliederung besteht somit aus Fleisch, Seele, Geist und Gottesgeist. Wer aber an die Göttlichkeit Jesu glaubt und Seine Lehre befolgt, der bekommt dann noch einen neuen Gottesgeist. Es ist in den Offenbarungstexten, die uns durch Jakob Lorber gegeben wurden, nicht immer ganz leicht, die verschiedenen Arten des Wortes „Geist“ auseinander zu halten und zuzuordnen. Da ist nicht nur vom Geist die Rede, sondern auch vom Geistigen, vom Naturgeist, Nervengeist, Menschengeist, Urgeist, ewigen Geist, essentiellen Geist, reinen Geist, jenseitigen Geist, Sideralgeist, Geistesfunken, Gottesgeist, Geist der Wahrheit, Lichtgeist und Liebegeist. Auch wird in den Offenbarungstexten keine vollständige Struktur des Menschen gegeben, sondern an verschiedenen Stellen jeweils nur eine teilweise. Dabei wird ein und derselbe Geistbegriff nicht immer mit dem gleichen Wort bezeichnet. Diese Schwierigkeiten beachtend wollen wir nun die menschliche Struktur mit den verschiedenen Geistbegriffen näher betrachten.

 

3.     Der Materieleib, eine Läuterungsmaschine

Zunächst wollen wir mit dem anfangen, was wir sehen und anfassen können, nämlich mit dem Leib. Der Leib ist nur eine Maschine und hat für sich allein kein Leben. Er ist nur ein Werkzeug der Seele, künstlich eingerichtet zu ihrem Gebrauche. (2.GS 79,10) Wenn die Seele den Leib verlässt, z.B. in einem Out-of-Body-Erlebnis, bleibt eine Verbindung zwischen beiden erhalten. Der Leib wird dann durch die so genannte Silberschnur, einem ätherischen Band zwischen Seele und Leib, am Leben erhalten. Erst wenn die Lebensfähigkeit des Körpers durch eine schwere Krankheit oder einen Unfall zu Ende geht, reißt der Lebensfaden und der Körper stirbt.

Der Leib besteht aus Materie und Materie ist gefangenes, gefesseltes und fixiertes Geistiges, (Er. 27,2) denn sie ist durch den Fall der Urgeister entstanden, die sich mit Luzifer von Gott abwandten und böse wurden. Damit die böse gewordenen Geister keinen Schaden anrichteten, musste Gott sie gefangen nehmen, wobei ihre anfänglich geistigen Seelen zu Materie erstarrten. Die Geister dieser Gefallenen aber waren in der Materie gefangen. Aus diesen zu Materie erstarrten Seelen sind dann erst durch die erbarmende und endlose Willensmacht des Herrn die Welten, wie sie sind, geschaffen und geformt worden und sind für ein Geistesauge chaotische Konglomerate von Seelen zu Seelen (2.GS 66,5) oder anders gesagt, ein Gemisch von Seelenpartikeln zu Seelenpartikeln. Unser Leib ist von Gott geschaffen und höchst kunstvoll eingerichtet worden. Er ist somit als Gesamtheit gut, aber die Atome des Leibes, so wie aller Materie, die aus den gefallenen Seelenintelligenzen bestehen, sind in sich böse, hochmütig, herrschsüchtig und selbstsüchtig. Wie böse sie sind, können wir an der zerstörerischen Wirkung sehen, wenn die Atome gespalten werden. Jesus sagt: „Sehet, der Leib ist Materie und besteht aus den gröbsten urseelischen Substanzen, die durch die Macht und Weisheit des göttlichen und ewigen Geistes in jene organische Form gezwängt werden, die der einen solchen Formleib bewohnenden freieren Seele in allem Nötigen wohl entspricht... Der Leib ist für die noch unlautere Seele eigentlich nichts als eine höchst weise und übergut und zweckmäßig eingerichtete Läuterungsmaschine.“ (2.GEJ 210,1-2)

Der materielle Leib dient der Seele zur Läuterung. In der Materie kann ein Wesen, das Gott ähnlich werden soll, von Gott ganz abgelöst werden und die Willensfreiheitsprobe durchmachen, um zur wahren Lebensselbständigkeit zu gelangen. (6.GEJ 239,2) So musste der Mensch aus der Materie sein Fleisch bekommen, in das für ihn ein probendes Gegengewicht gelegt ist und das ist die Versuchung. (5.GEJ 70,4) Das Fleisch ist das Gegengewicht zum reinen Geist. Die Seele und der Menschengeist müssen sich entscheiden, wem sie Gehör geben wollen, dem reinen Geist oder dem Begehren des Fleisches. Die gefallenen Geister mit ihren Seelen sollen im freien Willen zu Gott zurückkehren, indem sie sich von der Materie und all ihren Begierlichkeiten lösen und durch ein Leben in der Liebe und Demut Gott wieder ähnlich werden.

 

4.     Der Nervengeist, ein Verbindungsglied

Zwischen Leib und Seele befindet sich der Nervengeist, der die Form des Körpers besitzt. Der Nervengeist ist das Gleiche, wie der Ätherkörper der Theosophen. Er ist der eigentliche Leib, während der Fleischleib nur Exkremente des Nervengeistes sind. (3.Hi. S. 16,22) Er ist das Verbindungsglied zwischen Seele und Fleischleib und bewirkt, dass sich die Seele des Fleischleibes bedienen kann. (Er. 49,2) Die Seele kann über den Nervengeist die Nerven beeinflussen und durch sie den Fleischleib bewegen und benutzen. (Er. 50,8) Neigt sich der Nervengeist mehr dem Fleischleib zu, was dann der Fall ist, wenn ein Mensch nach dem Weltlichen strebt und dem Begehren des Fleisches nachgibt, dann behält dieser Mensch nur selten Träume. Davon sind schwachnervige Menschen ausgenommen, die trotzdem oftmals ihre Träume behalten. Neigt sich der Nervengeist mehr der Seele zu, (6.GEJ 111,5) dann ist sie während des Schlafes mit ihm verbunden, und dann erinnert sich dieser Mensch vieler Träume und auch realer Aufenthalte der Seele im Jenseits. (Er. 67,10) Der Nervengeist behält dann, da er mit der Seele verbunden ist, was die Seele während des Schlafs erlebt hat und zeichnet es in das materielle Gehirn. Der Nervengeist wird beim Tode von der Seele aufgenommen (BM 1,8) und geht ganz in den geistig substantiellen Leib, welcher das Fleisch der Seele ist, über. (8.GEJ 25,3)

 

5.     Die lebendige Seele

Im großen Evangelium versetzte Zinka durch sein Handauflegen den Zorel in einen Verzückungsschlaf, wodurch seine Seele in seine innere Geisteswelt verrückt wurde. Nachdem Zorel vom Zustand seiner Seele erzählt hatte, stellte Zinka erstaunt die Frage: „Hat denn die Seele auch einen Leib?“ Diese Frage stellte Zinka, weil er keinen blassen Dunst von dem hatte, wie eine Seele aussieht und beschaffen ist. Denn die Juden stellten sich die Seele als eine Art dunstigen Nichts vor, die weder eine Gestalt und noch viel weniger irgendeinen Leib habe. Zinka machte darum große Augen, als Zorel ihm zur Antwort gab: „Na freilich hat die Seele auch einen, zwar nur ätherischen Leib, – aber für die Seele ist ihr Leib ebenso vollkommen Leib, wie dem Fleische das Fleisch vollkommen Leib ist. Nichts fehlt dem Seelenleibe, was immer da innehat der fleischliche Leib. Du siehst solches mit deinen Fleischaugen freilich wohl nicht, aber ich kann das alles sehen, hören, empfinden, riechen und schmecken; denn auch die Seele hat dieselben Sinne, wie sie der Leib hat.“ (4.GEJ 51,1-3)

Die Seele ist für sich ein ganz vollkommener Mensch, der substantiell geistig die ganz gleichen Bestandteile enthält wie der Leib und in höherer geistiger Entsprechung sich derselben auch also bedient, wie der Leib seiner materiellen. (8.GEJ 24,9) Nur ist bei einer vollkommenen Seele auch ihre Gestalt vollkommen, während bei einer unvollkommenen Seele ihre Gestalt unvollkommen ist. Sie hat alle Glieder und Organe, die ihr Leib hat, aber diese dienen ihr zu anders gestalteten Zwecken, als sie für den Leib gebraucht werden. (7.GEJ 209,19) Der Leib ist ohne die Seele tot, die Seele aber kann ohne den Leib leben. Die Seele gibt dem Leib erst das Leben und lebt nach dem Tode weiter. Die Seele ist unsterblich, auch wenn in der Bibel vom Tod der Seele die Rede ist. Mit diesem Tod ist der geistige Tod gemeint, der dann eintritt, wenn sich die Seele ganz dem weltlich Materiellen hingibt. Auch wenn die Seele sich noch im Fleisch befindet, kann sie geistig tot sein und doch lebt der Mensch weiter. So lebt auch die Seele im Jenseits naturmäßig weiter, auch wenn sie geistig tot ist. Ganz geistig tot sein aber ist das Gleiche wie ein Teufel sein.

Wenn der Körper verletzt wird, empfindet nicht der Körper, sondern die Seele den Schmerz. „Was im Leibe fühlt, hört, sieht, riecht, schmeckt, denkt und will“, sagt Jesus, „das ist ja das unsterbliche Wesen der Seele und nicht der an und für sich tote Leib, dessen Scheinleben ja nur durch das wahre Leben der Seele bedingt ist.“ (9.GEJ 167,6) Die Seele hat Selbstbewusstsein (Er. 38,3) und ist zusammen mit dem Menschengeist das niedere Ich des Menschen, (Er. 33,10) das in Verbindung mit der Außenwelt steht. „Die Seele ist das Aufnahmeorgan für alle endlos vielen Ideen des Urgrundes“, sagt Jesus, „aus dem sie wie ein Hauch hervorgegangen ist. Sie ist der Träger der Formen, der Verhältnisse und der Handlungsweisen. Alle diese Ideen, Formen, Verhältnisse und Handlungsweisen sind in ihr in kleinsten Umhüllungen niedergelegt. Ein gerechtes Maß von allem dem in ein Wesen zusammengefasst bildet eine vollkommene Menschenseele.“ (Er. 52,5) Wie der Leib aus Atomen aufgebaut ist, so setzt sich auch die Seele aus Seelenatomen zusammen, in denen Gottes Ideen niedergelegt sind. (Er. 40,5)

 

6. Wo kommt die Seele her?

„Aber so viel kann Ich dir wohl sagen“, sagt Jesus, „dass hier niemandes Seele jünger ist denn die ganze sichtbare Weltenschöpfung!“ (4.GEJ 246,4) Die gefallene geistige Schöpfung, die zu Materie erstarrte, besteht aus lauter aufgelösten Seelen, also einzelnen Seelenintelligenzen, welche, weil sie vom Fall her böse geworden sind, von Geistern festgehalten werden, womit sie gefangen sind. Wie höllisch böse die Seelenspezifika sind, die aus dem Innern der Erde aufsteigen, zeigt sich am giftigen Wesen fast sämtlicher Metalle, am Gift in den Pflanzen, am Gift in den Tieren, an der großen Wut derselben, besonders bei den reißenden Tieren. Ja selbst bei den Menschen äußert sich dieses Böse, rein Höllische, oft noch in einem so hohen Grade, dass nicht selten zwischen manchem Menschen und zwischen dem Fürsten der Finsternis wenig oder gar kein Unterschied vorhanden ist. Dieses rein höllisch Böse wird erst im Menschen durch das Wort Gottes einer neuen Gärung ausgesetzt, in welcher das Höllische gesänftet und in Himmlisches verkehrt wird, aber nur nach und nach. (Er. 54,6-7)

Wenn jeweils die Zeit des Festhaltens in der Materie vorbei ist, da erwachen die einzelnen Intelligenzen und einen sich wieder durch die Naturseelenentwicklung im Mineral-, Pflanzen-und Tierreich als Ursubstanz in jenem Wesen, in welchem sie uranfänglich aus dem Schöpfer gestaltet worden sind. (Er. 41,10) Dieser Wiedervereinigung steht als oberster Leiter der Herr Selbst vor und wird von den Engeln mitgeleitet. (Er. 39,11-12) Zur Hauptsache ist sie das Werk eines reinen, jenseitigen Geistes, welcher der eigentliche Erwecker, Fortführer, Bildner und Erhalter der Pflanzen- und Tierseelen bis zur Menschenseele ist, (10.GEJ 184,5) zum Teil ist sie aber auch das Werk des gefallenen und gefesselten Urgeistes (Er. 38,5) und auch der Intelligenzen selbst. (Er. 41,10) Jesus zeigt uns die Vereinigung der Seele einer Gazelle, eines Schakals und eines Adlers zu einer Naturseele und sagt: „Und nun sieh her! Da vor der Tür steht schon eine Menschengestalt, wie die eines Kindes, und wartet, bei einer nächsten Zeugung in den Leib einer Mutter aufgenommen zu werden.“ (10.GEJ 185,4) Die Naturseelen, die von der Materie frei geworden sind, sind nicht mehr so leicht wieder in die Materie hineinzubringen. Deshalb wollen sie zunächst auch nicht als Mensch inkarniert werden, aber erst als Menschenseele können sie in ihre volle Freiheitssphäre treten und sind dann imstande, sich selbst in der moralischen Hinsicht weiter fortzubilden. (10.GEJ 184,5)

Jesus sagt: „Siehe, in den Bergen, so wie in der Luft, wie auch in der Erde, im Wasser und im Feuer, gibt es gewisse Naturgeister, die noch nicht den Weg des Fleisches durchgemacht haben, weil sich dazu noch nicht die Gelegenheit geboten hat, in der sie bei einem menschlichen Zeugungsakte den Eingang ins Fleisch hätten finden können, um durch den Leib eines Weibes im Fleische zur Welt geboren zu werden. Massen solcher noch ungeborener Seelen sind in allen Elementen vorhanden.“ (2.GEJ 64,6) Die Naturgeister, von denen Jesus hier spricht, sind Seelen, die noch nicht als Mensch inkarniert worden sind. Naturgeister halten sich auf der Oberfläche der Erde und in allen Elementen als Erd-, Berg-, Wasser-, Feuer- und Luftgeister auf, (Er. 40,4) wo sie Aufgaben zu erfüllen haben. Sie sind schon von machen hellsehenden Menschen gesehen worden, z.B. haben schon manche naturverbundene Menschen Elfen, Feen, oder Gnome gesehen. (Er. 33,13-15)

Im großen Evangelium sieht Jarah einmal solche Naturgeister und sagt: „Aber Herr! Was sind denn das für kleine Männlein? Sie kamen vom Walde her und umlagern uns nun scharenweise in allen Farben! Einige scheinen ein dunstiges Kleid zu haben; die meisten aber sind ganz nackt und haben aber alle die Größe von kaum zwei Jahre alten Kindern.“ Da gab Jesus ihr zur Antwort: „Das sind diesirdische, schon konkrete Menschenseelen, die den Weg des Fleisches noch nicht durchgemacht haben. Sie haben auch bis jetzt noch keine besondere Lust dazu, weil sie eine neue Einkerkerung in die Materie zu sehr fürchten. Die Bekleideten haben sogar eine Art Sprache, die freilich nicht gar weit her ist; aber eine gewisse Affenintelligenz besitzen alle!“ (4.GEJ 115,1-2)

 

7. Die Substanz der Seele

„Die Seele ist gewisserart durch die Kraft des Geistes (des reinen Lichtgeistes) wieder aufgelöste Materie“, sagt Jesus, „die in des Geistes eigene Urform, durch seine Kraft genötigt, übergeht und sodann, mit ihrem Geiste vereint, gleichsam seinen lichtätherisch-substantiellen Leib ausmacht.“ (7.GEJ 66,7) Der reine Geist ist es, der die Materie auflöst und sich aus ihr einen lichtätherischen Leib nach seiner eigenen Urform gestaltet, und das ist die Seele. Die Seele, sagt Jesus, „ist eine rein ätherische Substanz, also… aus sehr vielen Lichtatomen (Photonen) oder möglich kleinsten Teilchen zu einer vollkommenen Menschenform zusammengesetzt durch die Weisheit und durch den allmächtigen Willen Gottes“ (7.GEJ 66,5) und „ist anfangs um nicht viel reiner als ihr Leib.“ (2.GEJ 210,2) Die Seele ist der substantielle Leib oder das Gefäß des Geistes. (Er. 30,2) Dieser geistige Leib besteht nicht aus Materie, sondern aus ätherischer Substanz, und diese Substanz ist gleich dem aus der Sonne gehenden Lichte. (7.GEJ 209,19-20) Die Seelensubstanz setzt sich aus lauter verschiedensten Seelenintelligenzspezifika zusammen. Ein Intelligenzspezifikum ist ein Gedanke Gottes und besitzt eine ganz einfache spezielle Intelligenz, denn es erkennt nur ein Einziges aus dem zahllos Vielen (Er. 39,3) und hat demzufolge nur einen speziellen Trieb. (Er. 30,2) Eine andere Art Intelligenzspezifika erkennt nur ein anderes Einziges aus dem zahllos Vielen und hat deshalb einen anderen Trieb. Vereinigen sich diese beiden zu einer kleinsten Seele, so hat diese Seele eine größere Intelligenz als jedes Intelligenzspezifikum für sich allein, denn sie kann schon verschiedenartig erkennen und hat schon zwei verschiedene Triebe. Je mehr Intelligenzspezifika in einer Tierseele beisammen sind und sich viele niedere Tierseelen zu einer höheren Tierseele vereinigt haben, um so größer wird die Intelligenz einer Seele. Je einfacher die Form eines Tieres, um so geringfügiger ist auch die ihr innewohnende Intelligenz. Je ausgebildeter und ausgebreitet zusammengesetzter eine Form erschaut wird, um so mehr Intelligenz wird man in ihr finden. (6.GEJ 53,7) Mehrere höhere Tierseelen vereinigen sich, nachdem sie von ihren Leibern frei geworden sind, zu einem Naturgeist, der schon als Menschenseele inkarniert werden kann. (6.GEJ 165,11)

 

8. Die Seele ohne den Geist

Die Naturgeister oder Naturseelen sind pure Seelen, die weder den gefallenen noch den reinen Geist in sich haben, denn das geistige Zentrum wird in die Seele erst wieder in der Form des Menschen gegeben. (Er. 38,9) Über solche puren Seelen sagt Johannes in der geistigen Sonne: „Die Seele ohne den Geist ist eine bloß stumme polarische Kraft, welche den stumpfen Sinn nach Sättigung in sich trägt, selbst aber keine Urteilskraft besitzt, daraus ihr klar würde, womit sie sich sättigt und wozu ihr die Sättigung dient. Sie ist zu vergleichen mit einem Erzkretin, der keine andere Begierde in sich verspürt als diejenige, sich zu sättigen... Und diese angeführten Kretins haben eben auch bloß ein seelisches Leben, das heißt, in deren Seele ist entweder ein zu schwacher Geist oder oft auch gar kein Geist vorhanden.“ (2.GS 79,12-14)

Es gibt aber auch noch Kretins, bei denen ihre plumpe Fleischmasse die Ursache ihres Zustandes ist. Jesus sagt: „Die Seele z.B. eines Kretins ist in sich ebenso vollkommen als die eines Doktors der Philosophie; aber der Leib dieser Seele ist zu plump und schwer und lässt nur äußerst wenig oder gar kein Licht in die Seele, – oder der Lichtfunke, der in die Seele gelegt ist, kann nicht auflodern, weil er zu sehr gedrückt wird von der plumpen Fleischmasse. Die Seele eines Philosophen aber lässt viel Licht durch; die Fleischmasse ist durch das viele Lernen lockerer geworden und drückt nicht so sehr die geistige Flamme auf einen Punkt zusammen.“ (Er. 52,16) Kretins haben oft nur einen schwachen Geist, manchmal auch gar  keinen, oder aber, wenn der Geist normal ist, kann der Geist der Seele kein Licht geben, weil der Geist oder die geistige Flamme zu sehr vom plumpen Leib auf einen Punkt zusammengedrückt wird.

Jesus sagt: „Wenn wir aber das Leben und Sein der Seele für sich (d. h. ohne den Geist in ihr) noch näher betrachten, so werden wir auch bald und leicht finden, dass sie als auch noch ein substantielles Leibmenschwesen für sich um nichts höher stünde als allenfalls die Seele zum Beispiel eines Affen. Sie würde wohl eine instinktmäßige Vernunft in einem etwas höheren Grade innehaben denn ein gemeines Tier, aber von einem Verstande und einer höheren freien Beurteilung der Dinge und ihrer Verhältnisse könnte da nie eine Rede sein.“ (8.GEJ 24,11)

  Eine Menschenseele ohne den Geist steht um nichts höher als ein Tier, denn auch ein Tier hat keinen Geist. Solch eine Seele wäre stumpf, interessierte sich nicht für geistige, sondern nur für materielle Dinge, (11.GEJ 10,4) hätte zwar etwas mehr Vernunft als eine Menschenaffenseele, aber diese Vernunft wäre mehr instinktmäßig. Höhere Tierarten haben oft ein sehr scharfes Erkennen (4.GEJ 262,5) und damit hat auch die pure Menschenseele oft ein sehr scharfes Erkennen und kann das Erkannte auch beurteilen, aber dieses Beurteilen bleibt nur auf ein äußeres Beurteilen weltlicher Dinge und Verhältnisse beschränkt. Zu einer freien, höheren geistigen Beurteilung der Dinge und Verhältnisse ist sie nicht in der Lage, das kann nur der Geist. So könnte eine pure Seele nie eine Maschine erfinden oder einen Plan für ein Haus entwerfen, könnte es aber bauen helfen, wenn ihr gezeigt würde, was sie dabei zu tun hat.

 

9. Die Einfleischung der Seele

Eine zukünftige Menschenseele ist schon vor der Zeugung komplett vorhanden. (Er. 50,3) Wenn eine Naturseele zur Inkarnation bereit ist, dann hält sie sich bei den Menschen auf und bekommt aus deren Außenlebensätherkreis eine gewisse Nahrung. Wenn sich dann ein Ehepaar durch den Naturtrieb genötigt fühlt, eine Begattung zu begehen, so wird eine dem Ehepaar gleichartige Naturseele durch die dabei verstärkte Kraft des Außenlebensäthers des Gatten angezogen. Sie tritt dann unter Zwang während der Begattungshandlung in den Strom des Mannes und wird durch diesen bei der Befruchtung in das Ei der Gattin gelegt. (2.GEJ 216,1-4) Jesus sagt: „Erst im siebenten Monate, wenn schon das leibliche Wesen organisch, wenn auch noch nicht ganz der Form, doch aber all den Teilen nach ausgebildet wird durch das vegetative Leben der Mutter, – so erst wird in der Gegend der Magengrube ein für eure Augen nicht wahrnehmbares, vom Zeuger herrührendes Bläschen, darinnen die Substanz der Seele enthalten ist, geöffnet und teilt sich dann dem ganzen Organismus durch die Verbindung der Nerven mit, umwandelt dann ein in allen Nerven vorfindliches magnetisches Fluidum in die seinige und dringt dann in aller elektrischen Schnelle bald auch in alle übrigen Organe, namentlich aber zuletzt erst in die Herzmuskeln, was gewöhnlich erst am siebenten Tage, bei einigen manchmal etwas später erst geschieht.“ (3.Hi. Seite 10,3)

Von der Befruchtung an befindet sich die Seele bis zum 7. Monat in einem Bläschen in der Gegend der Magengrube. Während dieser Zeit werden die Intelligenzspezifika der Naturseele entwirrt und ordnen sich nach dem Willen der Schutzgeister zur menschlichen Form. Etwa am Anfang des 7. Monats zerplatzt das Bläschen und die nun geordnete Seele dringt in den ganzen Körper und in alle Organe ein, aber erst zum Schluss, nach ca. sieben Tagen in die Herzmuskeln. Dann werden der Seele aus dem Mutterleibe neue Spezifika zugeführt, welche sie zur festeren Aneinanderbindung ihrer eigenen Intelligenzspezifika und zur Bildung der Nerven verwendet. (Er. 50,4-8)

Weil die Seele bereits von der Befruchtung an im Embryo vorhanden ist, so ist jede Abtreibung, auch wenn sie innerhalb der ersten drei Monate geschieht, Mord. Es wird dadurch einer Seele und ihrem Geist die Gelegenheit genommen, hier auf der Erde ihre Weiterentwicklung bis zur Gotteskindschaft machen zu können.

 

10. Der einst böse gewordene Geist

Jesus sagt: „Ungefähr drei Tage vor der Geburt aber wird aus der allerfeinsten und zugleich solidesten Substanz der Seele in der Gegend des Herzens ein anderes unendlich feines Bläschen gebildet, und in dieses Bläschen wird ein einst böse gewordener Geist, der da ist dem Wesen nach ein Funke der göttlichen Liebe, hineingelegt; gleichviel ob der Körper männlich oder weiblich ist, so ist doch der Geist ohne geschlechtlichen Unterschied und nimmt erst mit der Zeit etwas Geschlechtliches an, welches sich durch die Begierlichkeit kundgibt.“ (3.Hi. Seite 11,6) Der einst böse gewordene Geist ist von seinem Ursprung her ein Funke der göttlichen Liebe, den Gott der Selbständigkeit wegen von Sich getrennt hat, wodurch er ein eigenes von Gott unabhängiges Bewusstsein und einen freien Willen bekam. Dieser einst gefallene Geist bildet zusammen mit der substantiellen Seele das menschliche Bewusstsein. Er ist das dritte im Menschen (3.Hi. Seite 12,8) und wird, wenn von der Wiedergeburt des Geistes in der Seele die Rede ist, zumeist zusammen mit der substantiellen Seele als „Seele“ bezeichnet. Durch diesen Geist bekommt der Mensch eine vollkommene Intelligenz, (Er. 34,5) ist befähigt Gott zu erkennen (Er. 33,10) und kann erkennen, was wahr und falsch ist. (3.Hi. Seite 12,9) Diese Fähigkeiten sind dem Menschen gegeben, damit er sich selbständig geistig entwickeln kann.

Jesus sagt: „Der menschliche Geist aber soll ebenso vollkommen werden in sich und durch sich, wie der Urgeist Gottes in Sich und durch Sich vollkommen ist, ansonst der Geist kein Geist, sondern ein gerichteter Tod ist. Damit aber der Menschengeist das werden kann, muss ihm die Gelegenheit geboten werden, sich ebenso entwickeln zu können in der Zeit, wie sich der göttliche Geist in Gott Selbst von Ewigkeit her in, aus und durch Sich Selbst gebildet hat!“ (2.GEJ 28,9-10) Der menschliche Geist kann, wie die Seele, geistig sterben, (Er. 41,7) womit er gerichtet ist. Das ist auch vor undenklich langen Zeiten geschehen, aber der himmlische Vater hat den Menschengeist geläutert, der Materie entrissen und hat ihn fähig gemacht, in das Herz der Seele gelegt zu werden. Ungefähr drei Tage vor der Geburt (3.Hi. Seite 11,6) wird der Menschengeist in ein kleines substantielles Bläschen, welches sich aus der feinsten Seelensubstanz im Herzen der Seele gebildet hat, hineingelegt. Zunächst ist der Menschengeist, wenn er in das Bläschen gelegt wird, geistig tot. Er soll aber durch das Handeln nach Gottes Wort wieder lebendig werden, damit er mit dem in ihm wohnenden Gottesgeist eins werden kann, (5.GEJ 78,8) und damit er fähig wird, den Funken der Vaterliebe in sich aufzunehmen und durch ihn völlig neu geboren zu werden.

 

11. Wo kommt der Menschengeist her?

Die Erde besteht aus lauter gebannten Seelen und Geistern und so sind die einst gefallenen und böse gewordenen Geister in der Erdmaterie gebannt. (Er. 33,13-14) Sie sind an die Materie, die einstmals ihr Seelenleib war, gebunden, denn kein Geist verlässt seine Seele, mag diese substantiell oder materiell sein. (Er. 55,1) Wie ist nun der gefallene Geist aus der Materie befreit worden, dass er in das Herz einer Seele gelegt werden konnte? – Auf dem gleichen Weg wie auch die Seelenintelligenzen von der Materie frei geworden sind, nämlich im Zusammenhang mit der Naturseelenentwicklung. Die substantiellen Intelligenzspezifika fügen sich nicht von selbst aneinander, sondern werden von ihrem geistigen Zentrum angezogen und solch ein Zentrum ist zunächst ein engst gefesselter Urgeist, dem ursprünglichen Liebefunken aus Gott. (Er. 38,8-9)

Der Menschengeist ist wie die substantielle Seele beim Fall zerstreut worden und muss wie sie wieder zusammengefügt werden. Es heißt zwar, dass der Geist nicht teilbar ist, (Er. 53,10) aber das bezieht sich einerseits auf den Geist Luzifers und andererseits auf den reinen Geist. Wie beim Geisterfall die Seelen eine Stufe tiefer fielen und dabei zu Materie erstarrten, sind wahrscheinlich auch die Menschengeister eine Stufe tiefer auf die Stufe der Seelensubstanz gefallen und sind damit teilbar geworden. Aus der geistigen Erde geht hervor, dass nicht nur die gefallene Seele, sondern auch der gefallene Geist noch sehr zerteilt ist. Jesus sagt: „Bei den neu anlangenden Geistern und neuen seelischen Auftauchungen ist das Geistige wie das Seelische noch vollkommen in die Materie eingeschlossen. …Da ist das Geistige wie das Seelische noch sehr zerteilt, so dass kaum in einer Million Regentropfen, Schneeflocken oder Hagelkörner das Wesen eines einzigen Geistes und dessen Seele vollständig in die Erde gesäet wird.“ (Er. 33,5) „Diese sind es eben nun, die da fortwährend zu den Weltkörpern gelangen, zum größten Teile schon in den Weltkörpern selbst gebannt gegenwärtig sind und sich dadurch in Seelisches und Geistiges abteilen, da in dem Seelischen das gegebene Ich und das Selbstbewusstsein wieder auftaucht aus der Materie, und in dem Geistigen die Erkenntnis Gottes wieder in das Seelische eingepflanzt wird, ohne dem die Seele, wie die Pflanze ohne Regen und Sonnenschein, bald verdorren und ersterben würde.“ (Er. 33,10) Manche Naturgeister haben eine vollkommene Intelligenz, (Er. 34,5) wie die Menschengeister eine vollkommene Intelligenz haben. (Er. 34,3) Diese Naturgeister können auch Gott erkennen, (2.GEJ 64,7) was alles Merkmale der menschlichen Geister sind.

Aus der Naturseelenentwicklung gehen nicht nur Seelen, sondern auch Geister hervor. Sie sind ja die geistigen Zentren, zu denen die frei gewordenen Seelenintelligenzen hinströmen und eine zunächst noch kleine Seele bilden. Wenn sich viele niedere Tierseelen zu einer höheren Tierseele vereinen, so vereinen sich auch deren Geister zu einem höheren Geist, denn eine Tierseele wird von ihrem Geist so gestaltet, wie er selbst beschaffen ist. Und nach der Seele wird dann auch die jedem Tiere eigenartige Form des Körpers gebildet. (Er. 49,9; 53,3) „Die Nebelchen“, sagt Jesus, „die so hie und da, besonders auf hohen Steingebirgen bald über einem oder über dem andern Felsenkranz, sich entwickeln, sind, wenn kein Regen vorhergegangen ist oder auch kein Schnee und dergleichen, zumeist Naturgeister, die nicht von verstorbenen Menschen herrühren, sondern erst nach Zeiten Menschenseelen und Geister werden können.“ (Er. 34,1) Naturgeister sind zukünftige Menschenseelen und zukünftige Menschengeister. Ob die zukünftigen Menschenseelen und -geister zunächst noch nebeneinander oder schon ineinander existieren, das ist uns nicht geoffenbart worden. Vermutlich stecken sie ineinander, denn kein Geist verlässt ja sein Seelisches. Jedenfalls solange sie noch nicht in einem Leib inkarniert sind, solange ist der zukünftige Menschengeist auch noch nicht in einem Bläschen im Seelenherzen eingeschlossen. Zumindest ist während der Naturseelenentwicklung bereits eine lockere Vereinigung zustande gekommen.

 

12. Der einst böse gewordene Menschengeist kann erneut böse werden

Wenn der mit Luzifer gefallene und einst böse gewordene Geist in das Bläschen gelegt wird, ist er noch geistig tot, wie er es in der Materie seit langen und langen Zeiten war. (3.Hi. Seite 11,7) Dieser Geist muss mit geistiger Kost aus dem Denken der Seele genährt werden. Ist die Kost gut, d.h. wenn die Seele über das geistig Wahre und Gute nachdenkt, es erkennt und sich danach richtet, so wird der Geist genährt, bis er reif wird, das Bläschen zu zersprengen und nach und nach alle Organe der Seele zu durchdringen, wodurch er in der Seele ein dritter Mensch wird. (3.Hi. Seite 12,7-8) Ist die Kost für den Geist schlecht, d.h. bewegt sich das Denken der Seele nur um weltlich unreine Dinge, in die auch der Geist einwilligt, (1.GEJ 16,4) dann wird der Geist wieder weltlich, sinnlich und endlich materiell und dadurch tot wie vor der Geburt. (Er. 41,7) Der Geist ist dann ganz in die Materie übergegangen und auch die Seele wird dann wieder tot, da sie dadurch selbst wieder ganz fleischlich geworden ist. (3.Hi. Seite 12,11) Für diese Menschen ist dann die Materie etwas Festes und allein Begreifliches geworden und alles Geistige kommt ihnen als eine Torheit vor. (2.Hi. Seite 97,4) Solche Menschen können nicht an einen persönlichen Gott glauben, glauben nicht an ein Weiterleben von Seele und Geist nach dem Tode, weil sie auch nicht glauben können, dass sie selbst Seele und Geist sind. Der Apostel Johannes gibt uns im 2. Band der Geistigen Sonne ein Beispiel: „Nehmen wir einen Hurer an. Dieser trieb, solange er lebte, ohne Schonung und ohne die geringste Rücksicht auf was immer fürPersonen die Unzucht. Äußerlich konnte niemand die Folgen des Lasters an ihm erschauen, denn der Leib ist nicht immer ein Folgenspiegel des Lasters. Dieser Mensch aber hatte durch seine lasterhafte Handlungsweise seinen Geist ganz in die grobe fleischlich-materielle Liebe herabgezogen, hat seine Lebenskräfte vergeudet, materiell und geistig genommen. Was bleibt ihm am Ende übrig? Nichts als ein Polypenleben seiner Seele. Diese langt jenseits mit nichts als mit ihrer sinnlich-fleischlichen Genußbegierde an. Ihr Bestreben ist das eines Polypen, nämlich in ihrer Art unausgesetzt fortzugenießen. Von einer geistig dirigierenden Reaktion ist da keine Rede mehr, indem der Geist schon bei Leibesleben bis auf den letzten Tropfen mit der sinnlichen Seele verschmolzen worden ist.“ (2.GS 106,10) „Und dieser Zustand ist eben das, was man die „erste Hölle“ nennt. Diese ist somit die Folge, und zwar die ganz natürliche, ordnungsmäßig gerechte Folge, indem die Seele durch diese verbotene Handlungsweise am Ende in denjenigen untersten Tierzustand zurückkehrt, aus dem sie früher vom Herrn durch so viele Stufen aufwärts bis zum freien Menschen erhoben wurde.“ (2.GS 106,12) Der Menschengeist kann mit der Seele nicht nur durch das Leben in der wahren Liebe eins werden, sondern auch durch das Ausüben der sinnlich-fleischlichen Genussbegierde. Da kehrt die Seele wieder in den Tierzustand zurück und wenn sie diesen Weg weitergeht, so wird sie wieder zu Materie, an die dann der wieder böse gewordene Geist erneut gefesselt wird.

In der ersten Hölle muss die Seele einer Fastenbehandlung unterzogen werden, um sie vom materiellen Zustand zu befreien. Johannes sagt: „Da der Geist einer solchen Seele mit ihr völlig eins war, so ist auch seine ganze Liebe in die Begierlichkeit seiner Seele übergegangen. Wird er nun durch das Fasten der Seele freier, so tritt er dann böswillig und überaus tief beleidigt und gekränkt auf, darum, dass man ihn durch Vorenthalt der Nahrung für seine leibhaftige Seele hat verkümmern lassen, um ihn dadurch zu bändigen. Aus solcher Beleidigung und Kränkung geht der Geist in einen Zorn über und verlangt Entschädigung. Wo aber findet er diese? In der zweiten Hölle!“ (2.GS 106,15-16)

„In der zweiten Hölle ist durch die starke Fastenbehandlung, wie uns bekannt, die begierliche Seele mehr und mehr eingeschrumpft, und dem mit ihr verschmolzenen Geiste ist durch diese Absonderungsmethode mehr Freiheit geworden. Im seltenen, besseren Falle kehrt ein Geist hier um, kräftigt sich und erhebt dann seine Seele mehr und mehr. Im gewöhnlichen, schlimmen Falle erwacht der Geist zwar auch; da er aber in diesem Erwachen in solcher Vernachlässigung seiner Seele sich überaus gekränkt und beleidigt und auch selbst mitvernachlässigt zu fühlen anfängt, so wird er zornig und lässt in diesem seinem Zorne stets mehr die Idee in sich aufkeimen, derzufolge ihm für solche Unbill von Seiten der Gottheit eine kaum zu berechnende große Genugtuung zugute kommen sollte.“ (2.GS 107,10) Dieser Zorn gegen die Gottheit ist höchster Hochmut und Herrschsucht. Da ist dann der Menschengeist erneut böse geworden und befindet sich in der dritten Hölle, aus der er freiwillig nicht mehr herausgeht. (Fortsetzung folgt) „Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und euer Geist ganz samt Seele und Leib müsse bewahrt werden unsträflich auf die Zukunft unsers HERRN Jesu Christ.“ (1. Thess. 5,23)  

 

13. Jeder Mensch hat einen Geist aus Gott

„Das eigentliche Gottwesen“, sagt Jesus, „kann niemand sehen und leben, denn Es ist unendlich und somit auch allgegenwärtig und ist sonach als Reinstgeistiges auch das Innerste eines jeden Dinges und Wesens.“ (6.GEJ 88,3) Somit ist auch in den Steinen, den Pflanzen und den Tieren das Reingeistige vorhanden, und deshalb hat auch ein jeder Mensch, wenn er geboren wird, einen reinen Geist aus Gott in sich.  

Während der drei Tage im Tempel sagte der zwölfjährige Jesus zu einem unwissenden und dazu noch hochmütigen Oberpriester, der meinte, Geist und Seele seien ein und dasselbe: „Zudem aber bist du noch in einer großen Irre, so du meinst, dass Geist und Seele ein und dasselbe sind! Die Seele bei den Menschen ist ein geistiges Produkt aus der Materie, weil in der Materie eben nur ein gerichtetes Geistiges für die Löse rastet, der reine Geist aber ist niemals gerichtet gewesen, und es hat ein jeder Mensch seinen von Gott ihm zugeteilten Geist, der alles beim werdenden Menschen besorgt, tut und leitet, aber mit der eigentlichen Seele sich erst dann in eins verbindet, so diese aus ihrem eigenen Wollen vollkommen in die erkannte Ordnung Gottes übergegangen und somit vollends rein geistig geworden ist.“ (DTT 21,19) Der reine Geist, welcher der ewige Lebensgeist im Menschen ist, ist nicht ein Menschengeist, sondern ein Gottesgeist, ansonst der Mensch kein Ebenmaß Gottes wäre. Er ist das Vierte im Menschen. 

Jesus spricht in diesem und in manchen anderen Texten der Offenbarung durch Lorber von der Seele und vom Geist, hier vom reinen Geist, aber nicht vom gefallenen Menschengeist, der zwischen den beiden steht. Gegenüber dem reinen Geist werden in solchen Texten der Menschengeist und die substantielle Seele als „Seele“ zusammengefasst. (5.GEJ 184,4) Es ist also in manchen Texten mit dem Wort „Seele“ nur die substantielle Seele und in anderen Texten die substantielle Seele zusammen mit dem Menschengeist gemeint. Es muss jeweils aus dem Zusammenhang heraus erkannt werden, was gemeint ist. 

Der Menschengeist, welcher eigentlich der dritte Mensch ist, wird von Jesus hierbei nicht speziell erwähnt, weil er in der Seele mit eingeschlossen ist, denn beide sind ein geistiges Produkt aus der Materie. (DTT 21,19) Der reine, jenseitige Geist, welcher eigentlich der vierte ist, rückt dann in diesem Zusammenhang an die dritte Stelle.

 

14. Was ist der reine, jenseitige Lichtgeist?

„Was ist denn der Geist?“, fragt Johannes in der geistigen Sonne und gibt als Antwort: „Der Geist ist das eigentliche Lebensprinzip der Seele.“ (2.GS 79,12) Der reine Geist ist das Innerste eines jeden Dinges oder Geschöpfes. Er ist der essentielle Geist, weil er die innewohnende Kraft und das Grundwesen eines jeden wie immer gearteten Daseins ist. Der reine, jenseitige Geist heißt reiner Geist, weil er nicht fallen kann und rein bleibt im Menschen, (4.GEJ 35,4) auch wenn Seele und Menschengeist erneut fallen. Der reine Geist kann nicht fallen, weil er kein Menschengeist ist, der frei wollen kann, sondern ein Gottesgeist, der nur innerhalb der göttlichen Ordnung handeln kann. Er heißt auch jenseitiger Geist, weil er als ein reiner Geist unabhängig von Zeit und Raum ist. (2.GEJ 141,8) Der reine Geist ist der Erwecker, Fortführer, Bildner und Erhalter der Seelen in der Naturseelenentwicklung bis zur Menschenseele, (10.GEJ 184,5) womit auch der Menschengeist gemeint ist und bewirkt den Bau und die zeitweilige Erhaltung des Fleischleibes. (7.GEJ 69,5) 

Jesus erklärt im Großen Evangelium was der reine Geist ist und sagt: „Der reine Geist ist ein Gedanke Gottes, hervorgehend aus Seiner Liebe und Weisheit, und wird zum wahren Sein durch den Willen Gottes. Da aber Gott in Sich ist ein Feuer aus Seiner Liebe und Weisheit, so ist das gleiche auch der in ein eigenes Sein realisierte und gewisserart aus Gott getretene Gedanke. Wie aber das Feuer eine Kraft ist, so ist dann solch ein Gedanke aus Gott auch eine Kraft in sich, ist seiner selbst bewusst und kann für sich wirken in eben jener Klarheit, aus der er hervorgegangen ist.“ (7.GEJ 66,6) Der reine Geist oder der ewige Lebensgeist in der Seele ist ganz identisch mit dem Lebensäther und ist ein kondensierter Brennpunkt dieses allgemeinen Lebensäthers (4.GEJ 256,2) oder des Geistfeuers, das die ganze Unendlichkeit erfüllt. (7.GEJ 72,9) Jeder einzelne reine Geist besitzt seine eigene Individualität, (4.GEJ 256,4) ist sich seiner selbst bewusst und ist das jenseitige Alter Ego, (5.GEJ 232,11) welches das zweite Ich oder das höhere Selbst im Menschen ist. 

Jesus sagt: „Der Geist ist in sich zwar keine Form, aber er ist eben dasjenige Wesen, das die Formen schafft; und erst, wenn die Formen geschaffen sind, kann er in eben diesen geschaffenen Formen selbst als Form wirkend auftreten, – was ebensoviel sagen will als: Jede Kraft, wenn sie sich als solche beurkunden soll, muss sich eine Gegenkraft stellen; erst zufolge dieses geschaffenen Stützpunktes kann die Kraft ihre Wirkungen äußern und zur Erscheinlichkeit bringen. Der Geist ist demnach gleich dem Lichte, welches in sich selbst zwar ewig Licht bleibt, aber als Licht so lange nicht bemerkbar auftreten kann, solange es keine Gegenstände gibt, die es erleuchtete.“ (Er. 52,9-11) Das Licht hat keine Form und ist unsichtbar. Erst wenn es auf die Form eines Gegenstandes trifft, wird es sichtbar und erleuchtet die Form. So hat auch der reine Geist keine Form und ist unsichtbar. Aber er hat die Form des Fleisches und der Seele als eine Gegenkraft zu seinem Sein geschaffen und tritt in dieser Form als eine Lichtgestalt in gleicher Form auf. 

Jesus erweckt im Zorel durch die magnetische Behandlung des Zinka den reinen, jenseitigen Geist. Dieser hatte zuvor in seiner Seele noch nie eine wie immer geartete Stärkung erhalten. Er lag so im Herzen der Seele wie das Ei im Weibe ohne eine männliche Erweckung. Doch nun fängt er als ein innerster Lichtmensch aus dem Herzen der Seele an aufzukeimen. (4.GEJ 54,8) Zorel spricht: „In mir wird es nun sonderbar helle, und ich fange an wahrzunehmen, als finge in meinem Herzen etwas an, sich zu regen; und das, was sich regt, ist ein Licht, und das Licht hat eine Form im Herzen wie die eines Embryos im Mutterleibe. Es ist ganz rein, – ich sehe es. Es wird aber stets größer und mächtiger nun! Ah, was das doch für ein herrliches und völlig reinstes Licht ist! Das ist sicher die eigentliche Lebensflamme aus Gott im wahren Herzen des Menschen! Ja, ja, das ist es! Es wächst nun in einem fort, und ach, wie wohl tut mir das!“ (4GEJ 52,12) „Ah, mein inneres Lebenslicht wird nun aber schon ungeheuer stark; es durchdringt nun schon alle meine Eingeweide! Oh, wie wohl doch tut dieses Licht meinem ganzen Wesen! Aber ich sehe es nun in der Gestalt eines vierjährigen Kindes von ungemein freundlichem Aussehen! Und sehr weise muss es sein; denn es sieht aus wie ein reinst gedachter kleiner Gott, aber nicht wie ein Phantasiegott der Ägypter, Griechen und Römer, sondern wie ein wundersames Abbild des wahren Gottes der Juden! Es ist ein Abbild der wahren Gottheit!“ (4.GEJ 52,12) Zorel sieht, wie sein reiner, jenseitiger Geist oder Lichtgeist in ihm wächst, bis zu seiner vollen Mannesgröße. (4.GEJ 53,10) Er beschreibt ihn als ein Abbild der wahren Gottheit, und er ist ja auch der reine Lichtgeist aus Gott. Zorel sagt aber nicht, dass er Jesu Antlitz hätte, denn der reine Geist besitzt dasselbe Antlitz wie die Seele und der Fleischleib. (4.GEJ 256,4)

 

15. Wo kommt der reine, jenseitige Lichtgeist her?

Das Reingeistige ist das Innerste eines jeden Dinges und Wesens (6.GEJ 88,3), also auch eines jeden einzelnen Spezifikums. (Er. 44,13) Der reine Geist ist nie gerichtet gewesen, aber er ist es eben, der den gefallenen Geist und alle seine zerstreuten materiellen Intelligenzpartikel gefangen hält, denn alle Materie ist ein geistig-materieller und materiell-geistiger Konflikt, (Fl. 10,3) der innerhalb der Atome stattfindet (PH 53,16) und wodurch das materielle Atom erst entstanden ist. Mit göttlicher Beharrlichkeit hält das Reingeistige das gefallene Geistige und Seelische gefangen, (Er. 41,10) und diese Gefangenschaft ist das materielle Atom. 

„Jeder eigentliche (materielle) Urstoff ist gebundenes Geistiges“, sagt der himmlische Vater, „und wie es irgend frei wird, wird es in seiner Art auch tätig und bildet sich seine Form und seine Beschaffenheit mit steter Ein- und Beiwirkung eines entsprechenden jenseitigen Geistes.“ (3.Hi. S.386,24) Alles Materielle ist nichts anderes als der beharrliche Wille des reinen Geistes, die gefallenen Naturgeister gefangen zu halten, gibt sie aber nach und nach frei und gestaltet sie in einen ihm ähnlichen substantiell-seelischen Leib um. Das geschieht in einer kürzeren oder längeren Zeit, denn wenn in einer Seelensubstanz der freie Wille erwacht ist, kann sie sich der lebendigen Ordnung des Geistes fügen oder ihr widerstreben. (7.GEJ 74,4) 

In jedes Samenkorn, z. B. eines Baumes, wird in das Keimhülschen aus Gottes Barmliebe durch die Gnadenwärme und das Licht der Sonne ein außerordentlich kleines Lebensfünkchen eingehaucht. (1.Hi.S.64,12) Das Reingeistige ruht verborgen im Samenkorn und ist ein wirkliches Etwas. (7.GEJ 73,9) Das Sonnenlicht ist nichts anderes als zahllose belebende Liebeteilchen, aus Gott strömend, um den toten Geistern auf jene Art wieder Leben zu bringen. (1.Hi. S. 110,7) In einer Pflanze vereinigen sich mehr und mehr die negativen oder gefallenen mit den positiven oder reinen Geistern. Die Naturgeister, die sich mit dem Lebensfünkchen vereinigt haben, werden nach der Vollreife der Frucht ätherisch frei und in eine höhere, intelligentere Wesenheit einer Tierseele geführt. Viele solcher Vereinigungen bilden dann zunächst eine niedere Tierseele und so geht das fort bis zur Menschenseele. (1.Hi. S. 65,17-19) Die vollständige Einung der spezial-seelischen Intelligenzen mit ihrem jenseitigen Lichtgeiste geht aber erst im Menschen vor sich. (3.Hi. S. 387,27-28) 

„Siehe, da taucht Reingeistiges sogar in der organischen Materie auf“, sagt Raphael, denn „dieses in dem angezeigten Hülschen eingeschlossene Reingeistige ist ein mit Liebe, Licht und Willenskraft erfüllter Gedanke“ Gottes. (7.GEJ 73,9) Anders gesagt ist der Geist das Licht, welches sich aus seiner eigenen Wärme von Ewigkeiten zu Ewigkeiten erzeugt, und ist gleich der Wärme die Liebe und gleich dem Lichte die Weisheit. (Er. 52,14) Formen können getrennt und zahllosartig zu neuen Formen wieder zusammengesetzt werden, das Licht oder der reine Geist aber kann nicht getrennt werden – er ist nicht teilbar. (Er. 52,19) Hier stellt sich die Frage: Wenn das Licht und damit der reine Geist nicht getrennt werden kann, wieso taucht der reine Geist als kleinste Lichtfünkchen in zahllosen Samenkörnern auf und vereinigt sich dann mit den ebenso zahllosen Seelenintelligenzen zu einem immer höheren Wesen? – Weil alles Reingeistige außer Zeit und Raum enthalten ist. (6.GEJ 30,9) 

Jesus sagte, als Er die Vereinigung dreier Tierseelen zu einer Naturseele erklärte: „Hinter dieser Seelenerscheinung siehst du eine Lichtgestalt; das ist schon dieser Seele jenseitiger Geist, der dafür Sorge tragen wird, dass diese – gegenwärtig noch – Naturseele bei der allernächsten Gelegenheit in einem Mutterleibe versorgt wird.“ (10.GEJ 185,4) „Bei der Ausgeburt des Leibes aus dem Mutterleibe wird der ewige Lebenskeim als ein Fünklein des reinsten Gottesgeistes in das Herz der Seele gelegt.“ (2.GEJ 217,5) Der reine Lichtgeist wird fast zur selben Zeit, nur wenig später als der Menschengeist, ungefähr zwischen drei Tagen vor und bis zur Geburt in ein Bläschen in das Herz des Menschengeistes und damit auch in das Herz der Seele eingelegt. (Er. 51,7) Während der Menschengeist durch den reinen Lichtgeist eingelegt wird, wird dieser durch einen Engelsgeist eingelegt. Das Bläschen, in das der Menschengeist eingelegt wird, besteht aus der allerfeinsten, aber dennoch solidesten Substanz der Seele, der reine Lichtgeist aber wird in ein Bläschen gelegt, das aus einer siebenfachen geistigen Umhülsung gebildet ist. (Er. 51,5) „Alles aber wird davon abhängen“, sagt Jesus, „dass die Seele sich durch die Demut über die Befreiung ihres Geistes hergemacht hat. Hat sie diesen frei gemacht, dann wird auch sie frei von allem durch ihn; hat sie aber das nicht, so wird sie selbst gefangen bleiben so lange, bis der Geist seine siebenfache Umhüllung verloren hat und darnach eins geworden ist mit der Seele.“ (Er. 51,16) Das Licht des Geistes durchdringt alles ohne Unterbrechung, was fürs Licht aufnahmefähig ist; was aber fürs Licht nicht aufnahmefähig ist, das bleibt in sich finster und tot, – denn ein lichtloser Zustand der Seele ist ihr Tod. (Er. 52,19)

 

16. Der reine, jenseitige Lichtgeist bleibt rein

„Jede Seele aber“, sagt Jesus, „ob in sich noch so schwach, ohnmächtig, zertragen und verdorben, hat in sich den Urlebenskeim, der nimmerdar verdorben werden kann.“ (4.GEJ 35,4) Das heißt: Wenn die substantielle Seele und der Menschengeist, die hier zusammen als Seele bezeichnet werden, sich mehr und mehr dem Wesen des Satans nähern können und so zu einem Teufel werden, so bleibt der jenseitige Lichtgeist rein, da er eins mit dem Allgeist ist, der die Unendlichkeit erfüllt. (4.GEJ 256,2-4) Dieser Geist ist das Entgegengesetzte des Satansgeistes. (Er. 58,10) 

Jesus sagt: „Will sich so eine Seele dem Satan nähern, dann tritt ein solcher Geist in ihr selbst als Richter, Rächer und Strafer auf und peinigt die Seele als ein unerlöschliches Feuer von innen aus.“ (Er. 58,11) Der reine Lichtgeist ist das Gewissen im Menschen. (9.GEJ 80,5) Folgt ein Mensch seinem Gewissen, so gelangt er zur Seligkeit, folgt er ihm nicht, so peinigt ihn sein reiner Geist und diese Pein (die sich zunächst als Gewissensbisse bemerkbar machen und sich dann bis zur höchsten Qual steigern können) wird um so stärker, je mehr er sich von der Ordnung Gottes entfernt. „Denn das ist der Unterschied zwischen der Seligkeit und zwischen der Verdammnis“, sagt Jesus, „In der Seligkeit geht die Seele (Seele und Menschengeist) ganz in den (reinen) Geist über, und der Geist ist dann das eigentliche Wesen; in der Verdammnis will die Seele den Geist ausstoßen und einen anderen, nämlich den des Satans, annehmen. In diesem Falle wird sie das Unähnlichste dem Geiste, daher der Geist in ihr die vollkommen entgegengesetzteste Polarität ist. Als solche übt er dann jene Gegenkraft aus, welche von dem Satan fortwährend allergewaltigst abstößt; je näher eine Seele dem Wesen des Satans kommt, desto heftiger ist die Reaktion des Geistes in ihr gegen den Satansgeist. Diese Reaktion aber ist für die Seele die allerschmerzlichste Empfindung, und daher datiert sich auch das Leiden und die Pein der Hölle, wie sich auch eben diese Reaktion als das unerlöschliche Feuer in der Erscheinlichkeit kundgibt. Und das ist eben auch der Wurm in der Seele, der nicht stirbt, und dessen Feuer nicht erlischt; und es ist dann ein und dasselbe Feuer, welches im Engel die höchste Seligkeit und im Teufel die höchste Unglückseligkeit gebiert.“ (Er. 58,12) 

Ein gewordener Teufel kann seinen reinen Lichtgeist solange nicht loswerden, bis die substantielle Seele und der Menschengeist wieder in einzelne Partikel aufgelöst worden sind. Das tritt dann ein, wenn solch ein Teufel auf den Grund der dritten Hölle angekommen ist. Das hat er sich selbst zuzuschreiben, denn dann ist sein Zorn und damit sein Hochmut und seine Herrschsucht so groß geworden, dass sie sein eigenes Wesen auflösen, denn der Hochmut zerstreut, aber die Demut sammelt. Dann muss er nochmals die Naturseelenentwicklung durch das Mineral-, Pflanzen- und Tierreich durchlaufen. (2.Hi S. 445,6-8) Jesus sagt: „Wohl ist die Materie (Mit Materie ist hier die substantielle Seele und der Menschengeist gemeint, die aus der Materie stammen.) ja bestimmt, erweckt zu werden durch die Kraft eines jenseitigen, reinen Geistes zur Auferstehung aus den langen Gerichten; aber dann muss die Materie nach der ihr wohl eingeprägten freien Intelligenz übergehen in die rechte Form und Wesenheit ihres jenseitigen Geistes, der ein Licht ist aus Gott. Geschieht das von der Materie nicht, so kehrt der jenseitige Geist in seinen Urquell zurück, und die für immer belebt werden sollende Materie fällt abermals in ihr altes Gericht und wird im selben lange zu harren haben, bis etwa einmal abermals ein jenseitiger Geist sie erwecken wird zu einer neuen Lebensprobe.“ (5.GEJ 171,8) 

Die Urindividualität einer Seele, d.h. die individuelle Zusammensetzung ihrer Eigenschaften, bleibt ihr auf ewig erhalten. Nur wenn eine Seele ganz homogen mit dem Satansgeist geworden ist, geht sie ihrer Urindividualität verlustig. Dann löst sich die Seele, die mit großer Mühe wieder zusammengefügt worden war, auf und der reine Lichtgeist kehrt dann in seinen Urquell zurück. Daraus folgt: Wenn die Seele nach der Naturseelenentwicklung die gleiche Zusammensetzung hat wie vor dem Geisterfall, und sie der reine Lichtgeist in der Naturseelenentwicklung nach seinen Eigenschaften gestaltet, mit seiner Gestalt und seinem Antlitz, so war der reine Geist schon seit der ersten Erschaffung in ihr und hat sie durch den Fall begleitet, hat sie gefangen gehalten, zu rechter Zeit wieder freigelassen und ihr wieder die ursprüngliche Gestaltung gegeben. 

Wenn eine Seele ganz materiell geworden ist, löst sie sich auf und muss erneut die Naturseelenentwicklung durchlaufen. Der reine, jenseitige Lichtgeist kehrt dann, nach der Auflösung der Seele, in seinen Urquell zurück und ein anderer, neuer Lichtgeist formt aus einem Teil dieser Seelenatome zusammen mit anderen eine neue Seele nach seinem Wesen. Die ursprüngliche Seele hat damit ihre Urindividualität und damit ihre Gotteskindschaft verloren, kann aber noch die geschöpfliche Seligkeit erreichen. (2.RB 294,4-7) Sie erinnert sich dann nicht mehr an ihr ursprüngliches Wesen, weil sie ein anderes Geschöpf geworden ist.

 

17. Der reine Funke der Vaterliebe

Was wir bisher betrachtet haben, war die Struktur eines Menschen bis zu Jesu Menschwerdung und ist auch heute noch die Struktur eines Nichtchristen. Seit Jesu Erdenleben bekommen alle echten Christen, die an die Göttlichkeit Jesu und an Seine Lehre glauben, einen neuen Geist. Jesus sagt: „Damit eine jede Seele ein vollkommenes göttliches Ebenmaß bekomme, wird einer jeden Seele ein neuer Geist aus Gott eingepflanzt, und sie dadurch eine neue Kreatur werden.“ (Er. 54,9) Die Einlegung dieses neuen Geistes ist die Eingeburt, wobei ein reiner Funke der Liebe in das Herz des Geistes und damit auch in die Seele gelegt wird. Jesus sagt: „Wird nun aber gegeben dem Geiste eine gute Kost, welche ist Mein geoffenbarter Wille und die Vermittlung durch die Werke der Erlösung – oder Meine Liebe im Vollbestande durch den lebendigen Glauben, so wird in dem Herzen des Geistes ein neues geistiges Bläschen gestaltet, in welchem ein reiner Funke Meiner Liebe eingeschlossen wird. Und wie es früher ging bei der Zeugung der Seele und aus derselben der des Geistes, ebenso geht es auch mit dieser neuen Zeugung des Heiligtums. Wird es nun vollends reif, dann zerreißt diese heilige Liebe die lockeren Bande des Gefäßes und strömt dann wie das Blut des Leibes oder wie die feinsten Substanzen der Seele oder wie die Liebe des Geistes in alle Organe des Geistes über, welcher Zustand dann die Neugeburt genannt wird, so wie der der Einlegung dieses Lebensbläschens genannt wird die Eingeburt.“ (3.Hi. S.13,12) 

Was ist nun der Unterschied zwischen dem reinen Lichtgeist und dem reinen Liebegeist? – Der reine Lichtgeist ist nur ein kondensierter Brennpunkt des Allgeistes, (4.GEJ 256,2) aber der reine Funke der Liebe ist ein Geist aus dem Gotteszentrum und ist, wenn er in die Seele übergegangen ist, der Gott im Menschen, (3.Hi. S. 14,14) demzufolge wir erst volle Gotteskinder werden können. 

Aus welchem Grund bekommen wir Christen einen neuen Geist, obwohl alle Erdenmenschen bereits seit der Geburt einen reinen, ungefallenen Geist aus Gott haben? Jesus sagt: „Darum bin Ich gekommen in die Welt, um euch zu zeigen die rechte Umkehr zu Meiner Ordnung zurück und den rechten Weg, fortzuwandeln in derselben bis zur Erreichung der wahren Wiedergeburt des Geistes in die Seele, nach der kein böser Rückfall mehr denkbar und möglich ist. Dieses muss bei euch nun angebahnt werden, da denen, die einmal verkehrt worden sind, mit der alleinigen geflickten Umkehr der Seele wenig geholfen wäre. Die Seele muss zwar vorher ganz umkehren, bevor die Wiedergeburt des Geistes in die Seele zu erlangen ist; aber der ausgestopfte und ausgeflickte, also auf den rechten Weg gebrachte bessere Seelenzustand ist nicht haltbar, weil durch die Macht der Welt und ihre zeitlichen Vorteile eine pur ausgeflickte Seele nur zu leicht bei der nächsten, etwas stärker lockenden Gelegenheit wieder in ihre alt angewohnte Verkehrtheit verfällt.“ (4.GEJ 220,6-7) Wenn sich die Seele und der Menschengeist bessern und zur Gottesordnung zurückkehren, so ist dieser bessere Seelenzustand bei so manchen Menschen und Geistern doch nicht auf Dauer haltbar. Nur zu leicht hält der Stopfen nicht und das schon angesammelte Lebenswasser fließt wieder aus der Seele heraus. Erst mit der vollen Wiedergeburt des neuen Liebegeistes in die Seele ist kein Rückfall mehr möglich. 

Jesus sagt: „Um das (den Rückfall) aber möglichst zu verhüten, habe Ich nun den neuen Weg also angebahnt, dass Mein Geist, den Ich nun als einen Funken Meiner Vaterliebe in das Herz einer jeden Seele lege und gelegt habe, durch eure Liebe zu Mir, und daraus wahrhaft und tätig zum Nächsten, genährt werde, in eurer Seele wachse und nach Erreichung der rechten Größe und Kraft sich völlig mit der gebesserten Seele vereine und eins werde mit ihr, – welcher Akt dann die Wiedergeburt des Geistes heißen soll und auch heißen wird. Wer diese erreicht hat, der steht dann freilich ums unvergleichbare höher als eine für sich allein noch so vollkommene Seele, die zwar auch vieles vermag, aber dessen ungeachtet dennoch ewig nicht alles, was dem völlig Wiedergeborenen vorbehalten ist. Dieser Funke Meiner Liebe aber wird in das Herz einer Menschenseele erst dann gelegt in der Fülle, wenn ein Mensch Mein Wort vernommen und es in seinem Gemüte gläubig und mit aller Liebe zur Wahrheit angenommen hat; solange dies nicht der Fall ist, kann kein noch so seelenvollkommener Mensch zur Wiedergeburt des Geistes gelangen. Denn ohne Mein Wort, das Ich nun zu euch rede, kommt der Funke Meiner Liebe nicht in das Herz eurer Seele, und wo er nicht ist, kann er auch nicht wachsen und gedeihen in einer Seele und somit in derselben auch nicht wiedergeboren werden.“ (4.GEJ 220,8-10) Jesus sagte, dass auf dieser Erde einer jeden Seele ein neuer Geist aus Gott, der Funke der Vaterliebe, eingepflanzt wird, aber eine jede Seele bekommt ihn erst dann, wenn sie an Jesus und Sein Wort glaubt. Das kann auch erst im Jenseits der Fall sein. (11.GEJ 52,8-13) Durch den Glauben an Jesus wird der Funke der Vaterliebe eingelegt, aber erst durch die Liebe zu Jesus und zum Nächsten fängt dieser Funke an zu wachsen. 

„In der Folge aber werden auch die Kindlein, so sie auf Mein Wort und auf Meinen Namen gezeichnet und getauft werden, den Geistesfunken Meiner Liebe ins Herz ihrer Seele gelegt bekommen; aber dieser wird dennoch nicht wachsen bei einer verkehrten Erziehung, wohl aber bei einer Erziehung nach Meiner euch allen nun überklar gezeigten Ordnung, nach der vor allem das Gemüt, und von dem aus erst entsprechend der Verstand, gebildet werden soll. Das Gemüt aber wird gebildet durch die wahre Liebe und durch Sanftmut und Geduld.“ (4.GEJ 220,11) Bereits die Kindlein, wenn sie durch einen lebendig glaubenden Christen getauft werden, bekommen den neuen Geistfunken der Vaterliebe ins Herz gelegt. Er fängt aber erst dann an zu wachsen, wenn sie in späteren Jahren Jesu Wort in die Tat umsetzen. „Den Geist aber“, sagt Raphael, „und noch mehr die eigenste Liebesflamme aus dem Gottesherzen, der zufolge ihr erst so eigentlich zu wahren Gotteskindern werdet, bekommet ihr Menschen dieser Erde eben jetzt erst und seid demzufolge unaussprechbar über uns hinaus bevorzugt, und wir werden euren Weg zu wandeln haben, um euch gleich zu werden.“ (3.GEJ 180,4) Das heißt: Durch die Einlegung des Geistfunkens der Liebe und noch mehr durch die eigenste Liebesflamme aus dem Gottesherzen, welche Flamme die Taufe aus den Himmeln ist, werden wir Menschen erst zu wahren und vollen Gotteskindern. Die Eingeburt des Geistfunkens der Vaterliebe ist erst seit Jesu Erdenleben möglich. Allen, die damals Sein Wort gehört und an Ihn geglaubt hatten und Ihm ernsthaft gefolgt sind, bekamen durch ihre Liebe zu Jesus bereits den neuen Funken der Vaterliebe in ihre Herzen gelegt. (4.GEJ 220,8) Cyrenius war ein Erstling der Liebe Jesu, der diesen Funken bereits schon eingelegt bekam, als Jesus noch ein kleines Kind war. (JJ 189,17-22) An Pfingsten wurden die Jünger dann mit dem Geist der Wahrheit erfüllt, welcher die Taufe aus den Himmeln ist. Diese Taufe aus den Himmeln ist nicht die Einlegung des Liebefunkens, sondern die Vereinigung des Liebegeistes mit der Seele und damit die volle Wiedergeburt. (6.GEJ 142,8)

 

18. Der Brennpunkt des göttlichen Wesens

Oalim, der zur Zeit der Urväter der Erde lebte, schaute in einer Vision wie sein Leib durchsichtig wurde und in ihm drei Herzen ineinander steckten, genauso wie innerhalb einer stacheligen Kastanienschale drei Kerne ineinander stecken, und zwar zuerst der braune Schalenkern, in diesem der Fleischkern und darin erst der kleine Keimkern. Bald darauf zersprang das äußere Herz, welches sein Fleischherz war, löste sich ab und fiel in eine endlose Tiefe, wo es vernichtet wurde. Das inwendigere, substantielle Seelenherz, aber blieb und erweiterte sich beständig, darum es das innerste, überstark leuchtende Keimherz also nötigte, dieweil dieses selbst fort und fort wuchs und also auch stets größer wurde. 

Anfangs sah das Keimherz nur so aus, als wäre es ein Herz. Als es dann aber stets größer und größer wurde, da nahm das Keimherz immer mehr eine menschliche Gestalt an und Oalim erkannte sich bald selbst in dem neuen Menschen. Das war der reine, jenseitige Lichtgeist, der Oalims eigene Gestalt hatte. Bald entdeckte er, dass dieser neue Mensch auch noch ein Herz hatte, und dieses leuchtete noch stärker als die tausendfache Leuchtkraft der Sonne. In der Mitte dieses Sonnenherzens ersah er ein kleines, lebendiges Abbild des heiligen Vaters. Das öffnete alsbald den Mund und sprach zu Oalim: „Richte empor nun deine Augen, und du wirst bald gewahr werden, woher und wie Ich in dir nun lebendig wohne!“ Oalim richtete alsbald seine Augen aufwärts und erschaute in einer endlosen Tiefe der Tiefen der Unendlichkeit ebenfalls eine unermeßlich große Sonne und in der Mitte dieser Sonne aber dann den heiligen Vater. Das war das Gotteszentrum. Vom heiligen Vater aus aber gingen endlos viele überlichte Strahlen, und einer dieser Strahlen fiel in das Sonnenherz des neuen Menschen und bildete dort das Abbild des Vaters. (2.HG 72,11-25) 

Wir sehen hier die dreifache Struktur des Menschen vor Jesu Erdenleben. Ab Jesu Erdenleben kam noch – wie wir schon gesehen haben – der Liebegeist hinzu. Der braune Schalenkern entsprach dem Fleischherzen, der Fleischkern dem Seelenherzen und der Keimkern dem reinen Lichtgeist mit dem Sonnenherzen. Oalim sprach von drei Herzen, aber in Wirklichkeit waren es vier, denn das Menschengeistherz zählte er nicht mit, weil auch er dieses mit zur Seele zählte. Das Keimherz sah wohl wie ein Herz aus, aber in Wirklichkeit war es kein Herz, sondern ein Keim, aus dem der reine Lichtgeist wuchs, in dem sich dann das Sonnenherz befand. Nun sah er aber in dem Sonnenherzen noch etwas, und das besaß nicht mehr seine Gestalt, sondern die Gestalt des heiligen Vaters. Hier sehen wir den Unterschied zwischen dem menschlichen und dem göttlichen Wesen. Alle vier Körper, vom Fleischkörper bis zum Lichtgeist, hatten die Gestalt und das Antlitz des Menschen, hier des Oalim, aber das göttliche Wesen im Brennpunkt war das Abbild des himmlischen Vaters. Dieses vollkommene Ebenbild des Gotteszentrums ist Sein Odem oder das eigentliche Leben in einem jeglichen Menschen. (1.HG 185,19) 

Wie kommt nun das Abbild des himmlischen Vaters zustande? – Der Geist im Menschen, der aus Gott ist, bildet einen Hohlspiegel. Dieser fängt die Strahlen der geistigen Sonne auf und konzentriert sie im Brennpunkt im Sonnenherzen. Da in der geistigen Sonne der himmlische Vater wohnt, so konzentriert sich im Brennpunkt Seine Gestalt mit Seinem Antlitz. Johannes spricht: „Ihr wisset, dass der Geist des Menschen ein vollkommenes lebendiges Abbild des Herrn ist und hat in sich den Funken oder Brennpunkt des göttlichen Wesens.“ (2.GS 10,14)

So gleicht auch des Menschen Seele und Geist Hohlspiegeln, deren Spiegelfläche um so feiner poliert ist, je mehr er in der geistigen Wiedergeburt fortgeschritten ist. Damit sich das Leben, das vom Gotteszentrum wie die Strahlen der Sonne ausgestrahlt wird, nicht in der Unendlichkeit verliert, sind die geschaffenen Geister als Lebenssammelpunkte in den Raum gestellt, damit sie das Gottesleben im Hohlspiegel ihres Herzens auffangen, (Fl. 7,7) im Brennpunkt konzentrieren und dem Gotteszentrum verstärkt zurückgeben. (Fl. 7,23)

 

19. Die Lebensvollendung

Wenn ein Mensch geboren wird, so hat er zwei Geistfunken in sich, die in Bläschen eingeschlossen sind. Der eine ist der noch geistig tote Menschengeist im Herzen der substantiellen Seele und der andere der reine, jenseitige Lichtgeist im Herzen des Menschengeistes. Glaubt ein Mensch ernsthaft an Jesus als Gott und an Seine Lehre, so wird in dem Herzen des reinen Lichtgeistes ein weiteres Bläschen gebildet, in welches ein reiner Funke der Vaterliebe eingelegt wird. 

Wenn nicht inzwischen der Menschengeist sein Bläschen zersprengt hat, so sind in dem Menschen drei unterschiedliche Geistfunken in drei verschiedenen Bläschen eingeschlossen, die es aus ihren Gefängnissen zu befreien gilt. Sie müssen zu wachsen anfangen, indem sie mit geistiger Kost genährt werden, welche das Wort Gottes und das Handeln danach ist, damit sie bis zur vollen Größe des Leibes wachsen, ineinander übergehen und eins werden können. 

Jesus sagt: „Obschon aber ein im Geiste vollends wiedergeborener Mensch ganz nur ein vollkommener Mensch ist, so besteht seine Wesenheit aber dennoch ewigfort in einer in sich wohl unterscheidbaren Dreiheit.“ (8.GEJ 24) Die Dreiheit unseres Wesens bleibt ewig bestehen. Auch wenn die Seele vergeistigt und in den Menschengeist übergegangen ist, so unterscheidet sie sich aber dennoch von diesem, denn die vergeistigte Seele bleibt für ewig der Leib des Geistes. Auch der Menschengeist, wenn er in den vollständigen jenseitigen Geist aus Gott übergegangen ist, unterscheidet sich weiterhin von ihm, denn er ist derjenige, welcher nach außen hin spricht und handelt, während der reine Licht- und Liebegeist uns innerlich sagt, was Gottes Wille ist. 

So besteht ein vollkommener Geist aus der vergeistigten Seele als der Außenform, dem Menschengeist als dem Inhalt und dem vollständigen jenseitigen Geist aus Gott (Licht- und Liebegeist) als der Kraft. Das Vierte ist dann der Brennpunkt im Geiste, der das göttliche Wesen Jesu ist und deshalb nicht mehr zum eigenen Wesen des vollkommenen Geistes gehört, sondern das ist der Gott im geschaffenen Wesen. So sind wir in Gott und Gott in uns und dann beginnt eigentlich erst das wahre Leben in der Seligkeit, das ewig kein Ende nehmen wird.

„Bleibet in mir und ich in euch.
Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Frucht,
denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“

(Joh. 15,4-5)


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