Geschichte der Allversöhnung


Apokatastasis [Allversöhnung] wurde zuerst ausdrücklich in Alexandria von Clemens von Alexandria und Origenes (185-254 n. Chr.) gelehrt. Clemens von Alexandrien betrachtete Rache als etwas, was nicht zu Gottes Wesen passe. Rache ausüben wäre nichts anderes als "Böses mit Bösem zu vergelten, wohingegen Gott den Gezüchtigten um seines eigenes Wohles willen züchtigt". Origenes meinte: "Und ich bin der Überzeugung, dass er (Gott) die Lasterhaftigkeit auch in geordneter Weise (einmal) ganz und gar vertilgt, zum Heile des Ganzen." und "Wie es bei den körperlichen Krankheiten und Wunden einige gibt, die durch keine ärztliche Kunst geheilt werden können, so ist es andererseits, wie wir behaupten, unwahrscheinlich, dass bei den Seelen ein von der Sünde herstammendes Gebrechen vorhanden sei, das unmöglich von der über allen waltenden Vernunft und von Gott geheilt werden könnte."

Der Kirchenvater Gregor von Nyssa (335-394) sagte, dass "es nicht hauptsächlich und primär Strafe ist, was Gott den Sündern auferlegt, sondern Er handelt ... nur, um das Böse von dem Guten zu trennen und es in die segensvolle Gemeinschaft zu ziehen". Die hier angesprochene Gemeinschaft ist eine Gemeinschaft, die so aussehen wird, dass alle Geschöpfe "in ihrem Verlangen und Wünschen dasselbe Ziel (nämlich Gott) haben werden und dieses Ziel auch (an)schauen werden, und zwar ohne dass noch irgendwas Böses in ihnen anzutreffen wäre".

Im vierten Jahrhundert wurde diese Lehre auch von anderen Kirchenvätern, wie Didymus der Blinde, Diodor von Tarsus und Theodor von Mopsuestia) gelehrt. Durch Theodor von Mopsuestias Liturgie wurde sie in der Assyrischen Kirche des Ostens übernommen, wo sie bis heute zur Liturgie gehört.

Einen entgegengesetzten Ansatz vertrat hingegen der (westliche) Kirchenvater Augustinus (354-430): Augustinus stellt sich eine ewige Strafe in der Hölle vor und rechtfertigt sie mit der Bibel. Beispielsweise meinte er, dass die äonische Strafe (oft mit "ewiger Qual" übersetzt, die aber nach Meinung einiger Theologen äonischer, also zeitlich begrenzter, Tod ist: Offb.20:5) aus Matth. 25:46 endlos sei, da das gleich bezeichnete äonische Leben auch endlos sei. Außerdem stellte er die Erbsündenlehre auf, mit der er behauptete, dass jeder Mensch durch den Sündenfall des ersten Menschen, Adam, befleckt sei und deswegen auch ersteinmal eine endlose Höllenstrafe für jeden Menschen zu erwarten sei, wenn Gott nicht aus sich heraus Gnade verleihe.

Der Kirchenlehrer Hieronymus (gest. 420) schrieb in seiner Erklärung des Propheten Jesaja, die Verdammten würden später reichlicher Tröstungen teilhaftig, aber das müsse geheimgehalten werden, damit die Gläubigen aus Furcht vor den ewigen Höllenstrafen nicht sündigen.

Am Rande des fünften Ökumenischen Konzils, dessen Hauptthema die Christologie war, wurde die Lehre der Apokatastasis zusammen mit anderen Lehren der Origenisten verurteilt, nachdem eine Synode von Konstantinopel ausgehend vom "Liber adversus Origenem" und dessen Anhang Edikt contra Origenem sie kurz vorher verdammt hatte: "Wenn einer sagt oder meint, die Bestrafung der Dämonen und der gottlosen Menschen sei zeitlich und werde zu irgendeiner Zeit ein Ende haben oder es werde eine Wiedereinbringung von Dämonen oder gottlosen Menschen geben, der sei verflucht." Im Konzil wurde das 553 bestätigt: "Wer behauptet, die himmlischen Mächte, alle Menschen, der Teufel und die bösen Geister würden sich [schließlich] mit Gott untrennbar [wieder] vereinen, so wie jener göttliche Geist, den sie Christus nennen, der von göttlicher Gestalt war und sich, wie sie sagen, entäußerte [Phil. 2,6 f], und dadurch werde es ein Ende des [jetzt noch gespaltenen] Königtums Christi geben - den treffe der Bannfluch!" Auch im Athanasischen Glaubensbekenntnis aus dem 6. Jahrhundert wird Andersdenkenden, mit "ewigem Feuer" gedroht. Damit war das Schicksal der Lehre von der Erlösung aller Menschen für lange Zeit besiegelt. Auch die Reformatoren insgesamt wollten sich nicht mehr von der Höllenlehre trennen (Confessio Augustana von 1539, art. 17; Confessio Helvetica posterior von 1566, art.7).

Anselm von Canterbury (um 1033 bis 1109) wagte dann auch hunderte Jahre später zu schreiben: Göttliche Güte ist so groß, wie sie größer nicht gedacht werden kann und dass Gottes Gerechtigkeit mit grenzenloser Barmherzigkeit gleichgesetzt werden muss. Auch der bedeutende irische Theologe Johannes Scotus Eriugena (9. Jh.) vertrat in seinem Werk den den christlichen Universalismus.

Während der Reformation vertraten zwar Martin Bucer (1491-1551) und der deutsche Täuferführer Hans Denk (1495-1527) eine Allversöhnung, blieben jedoch in der Minderheit. Stärkere Verbreitung fand diese Sicht erst wieder in der Folge der Aufklärung, z.B. bei Johann Kaspar Lavater.

Auch die biblische Reformbewegung des Pietismus (ab 1650) vertrat in großen Teilen die Allversöhnung, angefangen mit dem Superintendenten Johann Wilhelm und Johanna Eleonara Petersen (1644-1724). Er sagte: Es ist das ewige Evangelium eine fröhliche Botschaft von der Wiederbringung aller, da verkündigt wird, wie dass alle Kreaturen, [...] doch eine jegliche in ihrer von Gott bestimmten Zeit und Ordnung nach ergangener Läuterung hier in dieser Zeit oder in den zukünftigen Äonen nach rückstelligen Gerichten auf die allergerechteste Art und Weise des gerechten und gütigsten Gottes durch Jesum Christum, [...] von der Sünde und Strafe der Sünden sollen errettet [...] werden.

Weiterhin wurde dies vertreten von den Pietisten Christian Gottlieb Pregitzer († 1824), Michael Hahn († 1819), Friedrich Christoph Oetinger († 1782), Johann Albrecht Bengel († 1752), Jung-Stilling († 1817) und die beiden Blumhardts, Vater († 1880) und Sohn († 1919). Durch die missionarischen Bestrebungen von George de Benneville und den deutschen Täufergruppen kamen diese Auslegungen auch nach Nordamerika, wo sie dann vor allem durch Unitarier in den liberalen Kreisen des Ostens großen Einfluss gewannen. Einige Zeit später (1867) veröffentlichte Andrew Jukes sein Buch The Restitution of all Things (Die Wiederherstellung aller Dinge). In den USA wurde die Sicht der Allaussöhnung außerdem durch die Universalist Church of America (1793-1961) vertreten.

Obgleich mittlerweile wieder in vielen unterschiedlichen christlichen Gemeinden aller Art Christen die Aussöhnung Aller vertreten, bekennen sich nur wenige Gruppen geschlossen dazu, die Bibelkonferenzstätte Langensteinbacher Höhe (Hartmut Maier-Gerber, Karl Geyer, Manfred Mössinger), die Freunde Konkordanter Wortverkündigung in Deutschland und den USA, die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Berlin-Hasenheide, die Geistchristliche Kirche sowie die niederländische Gemeinde Eben-Haëzer in Rotterdam.

In jüngerer Zeit hat sich die Christliche Allianz, wie Ernst Ferdinand Ströter (der lange in den USA lebte), der "Bund gläubiger Lehrer und Akademiker" (Walter M. Borngräber), Adolph Heller, Karl Geyer, Heinz Schumacher, Theodor Böhmerle, Arthur Muhl zur Allaussöhnung bekannt.

Außerdem haben auch die amerikanische Bibelübersetzer Adolph Ernst Knoch (KNT) und Fritz H. Baader (DaBhar) die Allaussöhnung erkannt.

Die Theologen Wilhelm Michaelis, Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, Hans Urs von Balthasar, Herman Schell, Jonathan Mayhew, Charles Chauncey, Hosea Ballou, Charles Skinner wie auch andere Theologen des zwanzigsten Jahrhunderts haben die Lehre der endlosen Hölle abgelehnt. Der Theologe Karl Barth, schreibt: "Es gibt kein Recht, es sich verbieten zu lassen, dass in der Wirklichkeit Gottes immer noch mehr, als wir erwarten dürfen, dass in der Wahrheit dieser Wirklichkeit auch die überschwängliche Verheißung der endlichen Errettung aller Menschen enthalten sein möchte". Jürgen Moltmann schreibt in Theologie der Hoffnung: "Die Logik der Hölle scheint mir nicht nur inhuman, sondern extrem atheistisch zu sein: hier der Mensch in seiner freien Entscheidung für Hölle oder Himmel - dort Gott als der Ausführende, der diesen Willen vollstreckt. Gott wird zum Diener des Menschen degradiert. Wenn ich mich für die Hölle entscheide, muss Gott mich dort hinstecken, obwohl Es nicht sein Wille ist. Drückt sich so die Liebe Gottes aus? Und wo bleibt die Allmacht Gottes? Menschen würden selbst ihrem Schicksal überlassen, sie brauchen Gott eigentlich nicht, denn nur der Mensch bestimmt, was passiert."

Die großen Kirchen lehren die Allaussöhnung jedoch nicht offiziell. Die Predigtpraxis reicht von vorsichtiger Zustimmung bis zur kategorischen Ablehnung. Es ist allerdings zu beobachten, dass diese Fragen der Eschatologie immer weniger intensiv beleuchtet werden und zunehmend von Ratschlägen für ein gelungenes Leben abgelöst werden.

Quelle: Wikipedia


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