Prüfet die Geister

Helmut Kling


 

Nach einem Glaubenssatz der evangelischen Kirche sollen nach dem Abschluss des Neuen Testaments mit der Offenbarung des Johannes keine weiteren göttlichen Offenbarungen mehr erfolgen, weil im Neuen Testament alles gesagt sei, was der Mensch brauche, um selig zu werden. Die evangelische Kirche beruft sich dabei auch auf Off. 22, 18-19: „Ich bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: So. jemand dazusetzt, so wird Gott zusetzen auf ihn die Plagen, die in diesem Blich geschrieben stehen. Und so jemand davon tut von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott abtun sein Teil Vom Holz des Lebens und von der Heiligen Stadt, davon in diesem Buch geschrieben ist..."  

Erwähnt wird in diesem Zusammenhang aber nicht, dass es zum Zeitpunkt der Abfassung der Apokalypse ca. 90 bis 100 n. Chr. auf Patmos als ein eigenständiges Buch (Schriftrolle) es noch kein Neues Testament als zweites Buch der Bibel gegeben hat. Die vier Evangelien des Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, die Apostelgeschichte, die Briefe der Apostel und die Offenbarung des Johannes wurden erst auf der großen Kirchenversammlung von Nicäa (ca. 325 bis ca. 350 n. Chr.) unter Kaiser Konstantin in einem Buch zusammengefasst, das dann erst „Neues Testament" benannt worden ist - und die Apokalypse an dessen Schluss gesetzt. Alle anderen Evangelien aber wurden als apokryph verworfen (vgl. auch das Kapitel „Die Entstehung des Neuen Testaments - geschichtlicher Überblick" in Himmelsgaben Band 3 von Jakob Lorber, Seiten 397-402). 

Die katholische Kirche erkennt dagegen nach strengen Prüfungen einige Offenbarungen - wie z. B. wenige Marien-Erscheinungen - als göttlich an. Beide christlichen Konfessionen bedenken anscheinend aber nicht, dass Gott immer tätig ist und sich in allen Zeiten durch demütige gläubige Menschen offenbart. Denn Jesus verhieß ja:

„Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen Ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugen von Mir. " (Johannes 15, 26) 

„Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Derselbe wird Mich verklären, denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen. " (Johannes 16, 13-14) 

Die Kirchen übersehen das ständige Wirken des himmlischen Vaters, insbesondere in unserer heutigen Zeit des Endes mit der Scheidung der Geister, d. h. sowohl die Menschen als auch die noch unerlösten jenseitigen Wesen werden sich für oder gegen Gott entscheiden müssen. Denn eine Erlösungsperiode geht zu Ende. Doch vorher wird noch viel geschehen. 

Laut einem Wort der Schrift sprach der Prophet Amos schon in vorchristlicher Zeit im göttlichen Auftrag: „Denn der Herr HERR tut nichts, er offenbare denn Sein Geheimnis den Propheten, Seinen Knechten. " (Ämos 3, 7)

Darum erwählte Gott in den vergangenen Jahrhunderten eine ganze Anzahl von Sehern und Propheten, um der Menschheit die Wahrheit zu verkünden, sie auf diese Endzeit und auf die Wiederkunft Jesu Christi hinzuweisen und sie gleichzeitig zur Reue und zur Umkehr aufzufordern. Wir leben also in einer Zeit von besonderer Bedeutung. 

Da aber auch der Widerchrist nicht untätig ist, sondern ihm insbesondere in dieser Zeit des Endes große Macht verliehen ist, lehrte der Herr Jesus schon durch die Apostel, die guten Geister von den negativen zu unterscheiden. 

So schrieb einst Paulus: „Den Geist dämpfet nicht, die Weissagung verachtet nicht; prüfet aber alles, und das Gute behaltet. " (1. Thess 5, 19-21) Wie man prüfen soll, wird ebenfalls im Neuen Testament gelehrt: „Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden." (1. Kor. 1, 18) 

„Darum tue ich euch kund, dass niemand Jesum verflucht, der durch den Geist Gottes redet; und niemand kann Jesum einen Herrn heißen außer durch den heiligen Geist " (1. Kor. 12, 3) 

„Ihr Lieben, glaubet nicht einem jeglichen Geist, sondern prüfet die Geister, oh sie von Gott sind; denn es sind viel, falsche Propheten ausgegangen irt die Welt. Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeglicher Geist, der da bekennt, dass Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen, der ist von Gott; und ein jeglicher Geist, der da nicht bekennt, dass .Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geist des Widerchrists, von welchem ihr habt gehört, dass er kommen werde, und er ist jetzt schort in der Welt." (l. Johannes-Brief 4, 1-3) 

Diese Prüfungsmaßstäbe sind an alle so genannten Neuoffenbarungen anzulegen - insbesondere in der kommenden Zeit des falschen Propheten und des Antichristen. Auch empfiehlt der Herr Jesus, Ihn im Herzen (und nicht im Kopf als Sitz des Weltverstandes) um Erleuchtung durch Seinen Geist und um Erkenntnis zur Unterscheidung von Wahrheit und Lüge zu bitten, um vor Irrtum bewahrt zu sein.

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