Das Wort des Herrn
Emanuel Swedenborg
1688-1772
Die
heilige Schrift oder das Wort des Herrn
Allgemein heißt es, das Wort stamme von Gott, von Ihm sei es eingegeben und daher heilig. Dennoch war bisher unbekannt, worin denn eigentlich sein Göttliches besteht. Dem Buchstaben nach erscheint nämlich das Wort des Herrn als eine ganz gewöhnliche Schrift, die in einem zwar fremdartigen, aber weder erhabenen noch lichtvollen Stil abgefasst ist, wie dies dem Anschein nach beim weltlichen Schrifttum häufig der Fall ist. Aus diesem Grunde kann der Mensch, der anstelle Gottes oder gar mehr als Gott die Natur verehrt und daher nicht aus dem Himmel vom Herrn her, sondern aus sich und seinem Eigenen denkt, hinsichtlich des göttlichen Wortes leicht dem Irrtum und der Verachtung verfallen. Wenn er es liest, so spricht er bei sich: „Wozu dies? Wozu jenes? Dies soll göttlich sein? Kann Gott in Seiner unendlichen Weisheit so sprechen? Sein Heiliges, worin besteht es, und woher stammt es? Doch allein aus religiöser Ängstlichkeit und Leichtgläubigkeit der Menschen.“
Doch wer so denkt, bedenkt nicht, dass der Herr Jehovah, der Gott Himmels und der Erde, das Wort durch Moses und die Propheten gesprochen hat. Es kann folglich nichts als das Göttlich-Wahre sein; denn was der Herr Jehovah Selbst spricht, ist göttliches Wahres. Ferner bedenkt er nicht, dass der Herr, unser Heiland, der eins mit Jehovah ist, das Wort bei den Evangelisten gesprochen hat, vieles davon aus dem eigenen Mund, das übrige aus dem Geist Seines Mundes, dem heiligen Geist, durch Seine zwölf Apostel. Aus diesem Grunde wohnt Seinen Worten, wie Er Selbst sagt, Geist und Leben inne und ist Er das Licht, welches den Menschen erleuchtet, und die Wahrheit.
Damit die Menschheit nicht länger im Zweifel darüber sei, dass das Wort göttlich und im höchsten Maße heilig ist, hat mir der Herr dessen inneren Sinn geoffenbart. Er ist seinem Wesen nach geistig und wohnt dem äußeren, natürlichen Sinn inne, ähnlich wie die Seele ihrem Körper. Dieser Sinn ist der Geist, der den Buchstaben belebt und daher auch von der Göttlichkeit und Heiligkeit des Wortes Zeugnis ablegen und sogar den natürlichen Menschen überzeugen kann, wenn er sich nur überzeugen lassen will.
Das
Wort Gottes enthält einen geistigen Sinn
Das Wort ist deshalb seinem Innersten nach geistig, weil es vom Herrn Jehovah herabkam und durch die Engelshimmel hindurchdrang. Das an sich unaussprechliche und unfassbare Göttliche wurde nämlich im Herniedersteigen zuerst der Fassungskraft der Engel und dann der Menschen angepasst. Daher stammt sein geistiger Sinn, der im natürlichen Sinn auf ähnliche Weise verborgen ist wie die Seele im Menschen, wie der Gedanke des Verstandes in der Rede oder wie die Neigung des Willens in der Handlung.
Der geistige Sinn ist nicht zu verwechseln mit jener Bedeutung, die aus dem Buchstabensinn hervorleuchtet, wenn man das Wort Gottes in der Absicht durchforscht, irgendeine kirchliche Lehre zu begründen. Die Bedeutung, die sich dabei ergibt, kann als buchstäblicher oder kirchlicher Sinn des Wortes bezeichnet werden. Der geistige Sinn hingegen erscheint nicht im Buchstabensinn, sondern ist inwendig in demselben verborgen. Es ist tatsächlich dieser Sinn, der das Wort geistig macht, und zwar nicht allein für die Menschen, sondern auch für die Engel. Deshalb steht es durch diesen Sinn mit den Himmeln in Verbindung. Da das Innere des Wortes geistig ist, so wurde es in reinen Entsprechungen geschrieben, und was so geschrieben ist, das stellt sich im untersten Sinne in einem Stil dar, wie er bei den Propheten, in den Evangelien und in der Offenbarung vorliegt, und welcher trotz seiner ganz gewöhnlichen Form die göttliche und die gesamte Engelswelt in sich birgt.
Der Reihe nach gehen aus dem Herrn hervor: das Göttlich-Himmlische, das Göttlich-Geistige und das Göttlich-Natürliche. Alles, was aus Seiner göttlichen Liebe hervorgeht, d. h. alles Gute, heißt Göttlich-Himmlisches; alles hingegen, was aus Seiner göttlichen Weisheit hervorgeht, d. h. alles Wahre, heißt Göttlich-Geistiges. Das Göttlich-Natürliche endlich ist aus beiden zusammengesetzt und stellt ihre Zusammenfassung im Letzten dar. Die Engel des himmlischen Reiches, aus denen der dritte oder oberste Himmel besteht, sind in dem vom Herrn ausgehenden Göttlichen, das als das Himmlische bezeichnet wird, denn sie sind im Guten der Liebe vom Herrn. Die Engel des geistigen Reiches, die den zweiten oder mittleren Himmel des Herrn bilden, sind in dem von Ihm ausgehenden Göttlichen, das als das Geistige bezeichnet wird, denn sie sind in der göttlichen Weisheit vom Herrn. Die Engel des natürlichen Reiches schließlich, aus denen der erste oder unterste Himmel des Herrn besteht, sind in jenem ausgehenden Göttlichen, das wir das Göttlich-Natürliche genannt haben, denn sie stehen vom Herrn her im Glauben der Nächstenliebe. Die Menschen der irdischen Kirche aber gehören je nach ihrer Liebe, ihrer Weisheit und ihrem Glauben einem dieser drei Reiche an, und in eben dieses Reich gelangen sie auch nach dem Tode. Das Wort des Herrn ähnelt in seiner Beschaffenheit dem Himmel: in seinem letzten Sinn ist es natürlich, im Innern geistig und im Innersten himmlisch, in einem jeden aber göttlich. Daher ist es den Engeln der drei Himmel und auch den Menschen auf Erden angepasst.
Der geistige Sinn wird in Zukunft nur denen gegeben, die in den reinen Wahrheiten des Herrn sind. Dies deshalb, weil der geistige Sinn von niemandem wahrgenommen werden kann, es sei denn vom Herrn her und wenn man von Ihm aus in den göttlichen Wahrheiten ist. Der geistige Sinn des Wortes handelt nämlich allein vom Herrn und Seinem Reich, und dieser Sinn ist es auch, in dem Seine Engel im Himmel sind, denn er ist dort Sein Göttlich-Wahres. Dieses Göttlich-Wahre könnte der Mensch verletzen, wenn er Kenntnisse der Entsprechungen besäße und mit ihrer Hilfe daran ginge, den geistigen Sinn des Wortes aus seinem eigenen Verständnis heraus zu erforschen. Denn durch einige ihm bekannte Entsprechungen könnte er diesen Sinn verderben und dann zur Begründung des Falschen heranziehen. Dies aber hieße, dem göttlichen Wahren und damit auch dem Himmel, in dem es wohnt, Gewalt antun. Daher wird einem Menschen, der den geistigen Sinn aus sich und nicht aus dem Herrn aufdecken möchte, der Himmel verschlossen; wenn aber dies geschieht, so sieht der Mensch entweder überhaupt nichts Wahres, oder er verfällt in bezug auf die geistigen Dinge einem Wahndenken. Ein weiterer Grund besteht auch darin, dass der Herr einen jeden durch Sein Wort belehrt, und zwar nicht durch unmittelbar neu eingeflößte Erkenntnisse, sondern durch die Erkenntnisse, die sich beim Menschen finden. Wenn daher der Mensch nicht in den göttlichen Wahrheiten ist, oder doch nur in geringem Maße, gleichzeitig aber im Falschen, so kann er aus diesem heraus die Wahrheiten verfälschen. Dies geschieht denn auch tatsächlich von seiten der Häretiker im Hinblick auf den Buchstabensinn des Göttlichen Wortes. Um zu verhindern, dass irgend jemand in den geistigen Sinn eindringen und die darin enthaltenen echten Wahrheiten verdrehen kann, wurden vom Herrn Wachtposten aufgestellt, die im Göttlichen Wort durch die Cherube bezeichnet werden.
In der natürlichen Welt bringt das Wort keinerlei Wunder hervor, weil hier sein geistiger Sinn nicht erscheint und auch vom Menschen innerlich, nicht so, wie er an sich ist, aufgenommen wird. Anders in der geistigen Welt! Dort erscheinen die Wunder aus dem Wort, weil alle ihre Bewohner geistig sind und durch Geistiges angeregt werden, wie in der natürlichen Welt die Menschen entsprechend durch Natürliches angeregt werden.
Der
buchstäbliche Sinn des Wortes ist Grundlage, Hülle und Stütze seines
geistigen und himmlischen Sinnes
In allem Göttlichen findet sich ein Erstes, ein Mittleres und ein Letztes, und zwar schreitet das Erste durch das Mittlere zum Letzten fort und hat so Dasein und Bestand. Ferner ist das Erste im Mittleren und durch dieses im Letzten. In dieser Beziehung ist also das Letzte das Zusammenfassende, und weil es das Zusammenfassende und zugleich die Grundlage ist, so ist es auch die Stütze. Der Gebildete begreift, dass diese drei auch als Endzweck, Ursache und Wirkung bezeichnet werden können, ebenso als das Sein, das Werden und das Dasein, und dass der Endzweck das Sein, die Ursache das Werden und die Wirkung das Dasein ist. Infolgedessen besteht jedes Ding in der Welt, sofern es vollständig ist, aus einem Dreifachen, nämlich aus einem Ersten, Mittleren und Letzteren, das man wie gesagt auch als Endzweck, Ursache und Wirkung bezeichnet. Wer dies versteht, der versteht auch, dass jedes göttliche Werk vollendet und vollkommen ist im Letzten, und dass hier die Fülle ist, weil im Letzten die vorhergehenden Stufen beisammen sind.
Aus diesem Grunde bezeichnet die Zahl drei im Göttlichen Wort das Vollendete und Vollkommene, sowie auch das Ganze, in dem alles beisammen ist.
Es gibt drei Himmel: einen obersten, einen mittleren und einen untersten. Der oberste bildet das Himmlische Reich des Herrn, der mittlere Sein Geistiges Reich und der unterste Sein natürliches Reich. Dementsprechend gibt es im Göttlichen Wort drei Sinne: einen himmlischen, einen geistigen und einen natürlichen. Damit ist die Beschaffenheit des Wortes klar: In seinem buchstäblichen oder natürlichen Sinn liegt ein innerer oder geistiger Sinn verborgen, und in diesem wiederum ein innerster oder himmlischer Sinn, und so ist der letzte, der natürliche oder buchstäbliche Sinn Hülle, Grundlage und Stütze der beiden inwendigeren Sinne.
Daraus folgt, dass das Göttliche Wort ohne seinen buchstäblichen Sinn wie ein Palast ohne Grundmauer wäre, also wie ein Palast, der in der Luft, nicht auf der Erde stünde und daher nur einen Schatten seiner selbst darstellte und verschwände. Ferner wäre das Wort Gottes ohne den Buchstabensinn wie ein Tempel mit zahlreichen Heiligtümern und einem Allerheiligsten im Zentrum, jedoch ohne Dach und Wände, die diese heiligen Dinge schützen, so dass sie von Dieben geraubt und von wilden Tieren und Vögeln beschädigt und zerstreut würden. Ja ohne seinen buchstäblichen Sinn wäre das Göttliche Wort wie ein menschlicher Leib ohne die umhüllende Haut und ohne die Stütze der Knochen: alles Innere, das er enthält, würde auseinanderfallen. Deshalb heißt es auch bei Jesaja, dass Jehovah über alle Herrlichkeit eine Decke oder Hülle erschaffen habe (Jes. 4, 5).
Das
Göttliche Wahre ist im Buchstabensinn des Wortes in seiner Fülle, seinem
Heiligtum und seiner Macht
Das Wort ist deshalb im Buchstabensinn in seiner Fülle, seinem Heiligtum und seiner Macht, weil in ihm die beiden übergeordneten oder inwendigeren Sinne, der geistige und der himmlische, beisammen sind. In welcher Weise, davon soll im Folgenden die Rede sein.
Im Himmel wie auch in der Welt bestehen zwei unterschiedliche Ordnungen: eine Ordnung der Aufeinanderfolge und eine Ordnung der Gleichzeitigkeit. Nach der ersteren kommt und folgt eins nach dem anderen vom Obersten bis zum Untersten; nach der letzteren aber ist eins neben dem anderen, vom Innersten bis zum Äußersten. Die Ordnung der Aufeinanderfolge ist wie eine Säule, die von der Spitze bis zur Basis in verschiedene Stufen eingeteilt ist, die Ordnung der Gleichzeitigkeit hingegen ist wie ein Werk, das in konzentrischen Kreisen vom Mittelpunkt bis zur äußersten Peripherie zusammenhängt. Die Ordnung der Aufeinanderfolge aber wird im Letzten auf folgende Weise zur Ordnung der Gleichzeitigkeit: das Höchste der aufeinanderfolgenden Ordnung nämlich wird zum Innersten der gleichzeitigen Ordnung, und das Unterste der aufeinanderfolgenden Ordnung zum Äußersten der gleichzeitigen Ordnung. Es ist damit vergleichsweise wie mit jener gestuften Säule, wenn man sich vorstellt, dass sie in sich selbst zusammensinkt und einen zusammenhängenden Körper auf der gleichen Ebene bildet. So entsteht aus dem Aufeinanderfolgenden das Gleichzeitige, und zwar in allem und jedem in der natürlichen wie auch in der geistigen Welt. Überall nämlich findet sich ein Erstes, ein Mittleres und ein Letztes, überall strebt das Erste durch das Mittlere zu seinem Letzten hin. Es ist jedoch wohl zu merken, dass es Grade der Reinheit gibt, nach denen sich beide Arten der Ordnung abwickeln.
Wir wollen dies nun auf das Wort zur Anwendung bringen. Das Himmlische, das Geistige und das Natürliche gehen vom Herrn in aufeinanderfolgender Ordnung aus, im Letzten aber sind sie in gleichzeitiger Ordnung. Daher sind der himmlische und der geistige Sinn des Wortes in dessen natürlichem Sinn beisammen. Sobald man dies einmal begriffen hat, sieht man, wie der natürliche oder buchstäbliche Sinn des Wortes die Hülle, Grundlage und Stütze seines geistigen und himmlischen Sinnes darstellt, sieht man ferner, wie in ihm das Göttlich-Gute und -Wahre in seiner Fülle, seinem Heiligtum und seiner Macht ist.
Aus dieser Beschaffenheit des Wortes im Buchstabensinn folgt, dass diejenigen, die in den göttlichen Wahrheiten gegründet sind und den Glauben hegen, dass das Wort in seinem Schoße aus Heiligem und Göttlichem besteht, die göttlichen Wahrheiten im natürlichen Lichte erblicken, wenn sie das Wort im Zustand der Erleuchtung vom Herrn lesen. Dies gilt noch mehr von jenen, die in dem Glauben sind, dass diese Beschaffenheit des Wortes auf seinem geistigen und himmlischen Sinn beruht. Denn das himmlische Licht, in dem der geistige Sinn des Wortes erstrahlt, fließt in das natürliche Licht ein, das dem Buchstabensinn entspricht, und erleuchtet das Verstandesvermögen des Menschen, sein sogenanntes Vernünftiges, und bewirkt, dass er die göttlichen Wahrheiten sieht und anerkennt, ob sie nun offen zu Tage liegen oder verborgen sind. Bei einigen fließen diese Wahrheiten mit dem Lichte des Himmels ein, und zuweilen sogar wenn sie sich dessen gar nicht bewusst sind.
Das Wort ist durch seinen himmlischen Sinn im Allerinnersten wie eine ruhige, doch zündende Flamme, in seinem Mittleren aber, durch den geistigen Sinn, wie ein erleuchtendes Licht. Daher ist das Wort in seinem Letzten, durch den natürlichen Sinn, wie ein durchsichtiger, beide Einflüsse in sich aufnehmender Gegenstand, der von der Flamme die Röte des Purpurs und vom Licht das Weiß des Schnees zeigt. Es ist also teils wie ein Rubin, teils wie ein Diamant - von der himmlischen Flamme wie ein Rubin, vom geistigen Licht wie ein Diamant.
Heutzutage weiß kaum jemand, dass den Wahrheiten eine Macht innewohnt. Man hält vielmehr das Wahre für ein bloßes Wort, das allerdings befolgt werden müsse, wenn es aus dem Munde eines Machthabers stamme. Mit anderen Worten: das Wahre gilt nicht mehr als der bloße Hauch eines Mundes oder der Schall, der das Ohr erreicht, während es doch in Wirklichkeit zusammen mit dem Guten den Urgrund aller Dinge in beiden Welten, der geistigen und der natürlichen, darstellt. Durch das Wahre und das Gute wurde das Weltall erschaffen und bleibt seither in seinem Bestand erhalten, durch diese beiden Mächte wurde auch der Mensch gemacht; deshalb sind sie alles in allem. Dass das Weltall durch das Göttlich-Wahre geschaffen wurde, wird bei Johannes ausdrücklich erklärt:
„Im Anfang war das Wort .... und Gott war das Wort ... Alles ist durch dasselbe geworden, und ohne dasselbe ist nichts geworden, das da geworden ist..., und die Welt ist durch dasselbe geworden“ (Job. 1, 1. 3. 10). Ferner bei David: „Durch das Wort Jehovahs sind die Himmel gemacht“ (Ps. 33, 6).
An beiden Stellen hat man nun unter dem Wort das Göttliche Wahre zu verstehen. Und da das Weltall durch dasselbe geschaffen ist, so wird es auch durch dasselbe erhalten; denn wie das Bestehen ein fortwährendes Entstehen voraussetzt, so die Erhaltung eine fortwährende Schöpfung. Der Mensch aber wurde durch das Göttliche Wahre gebildet, weil sich bei ihm alles auf Verstand und Wille bezieht. Sein Verstand ist das Gefäß zur Aufnahme des Göttlichen Wahren, sein Wille das Gefäß zur Aufnahme des Göttlichen Guten. Folglich ist das menschliche Gemüt, das aus diesen beiden Grundelementen besteht, nichts anderes als eine geistig und natürlich organisierte Form des Göttlichen Wahren und Guten. Das menschliche Gehirn ist diese Form. Da nun der ganze Mensch von seinem Gemüt abhängt, so ist alles, was zu seinem Körper zählt, bloßes Zubehör, das von jenen beiden Grundelementen in Bewegung gesetzt und belebt wird.
Aus alldem kann man nun ersehen, warum Gott als das Wort in die Welt kam und Mensch wurde. Dies geschah um der Erlösung willen; denn Gott nahm damals durch das Menschliche, das Göttlich-Wahre, alle Macht an und brachte die Höllen, die bis zum himmlischen Aufenthalt der Engel angewachsen waren, zu Fall und unterwarf sie wieder Seiner Botmäßigkeit. Dies alles vollbrachte Er nicht durch das Wort Seines Mundes, sondern durch das Göttliche Wort, das Göttliche Wahre. Danach öffnete Er zwischen den Höllen und den Himmeln eine große Kluft, die niemand von der Hölle übersteigen kann. Wer es dennoch versucht, der erleidet schon beim ersten Schritt die größten Qualen, vergleichbar einer Schlange, die auf eine glühende Eisenplatte oder auf einen Ameisenhaufen gelegt wird. Die Teufel und Satane stürzen sich nämlich, sobald sie nur das Göttliche Wahre wittern, augenblicklich in die Tiefe und verbergen sich in Höhlen, die sie dann von innen so dicht verstopfen, dass kein Spalt mehr offenbleibt. Der Grund dieses Verhaltens besteht darin, dass ihr Wille vom Bösen und ihr Verstand vom Falschen beherrscht wird, also im Gegensatz zum Göttlich-Guten und Göttlich-Wahren steht. Da nun, wie gesagt, der ganze Mensch aus jenen beiden Grundelementen des Lebens besteht, so erfasst sie beim Empfinden des Gegensatzes ein derartiger Schrecken, dass es sie von Kopf zu Fuß durchfährt.
Damit steht fest, dass die Macht des Göttlich-Wahren unaussprechlich ist.
Quelle: Johannes Tennhardt, „Vom inneren Wort“,
Lorber-Verlag,
Zu dieser Thematik können Sie sich auch die Broschüre "Vom inneren Sinn im Gotteswort" als gezipte RTF-Datei (187 kb) herunterladen