Johannes spricht mit Satan
empfangen durch Jakob Lorber

Wortkampf zwischen Johannes und Satan
Satans Größenwahn und hochmütige Antwort
Satan in der Enge und in Widersprüche verwickelt

 

Kapitel 197

21] Spricht Satan: »Nun wohl, denn es gilt hier Sein oder Nichtsein. Ich werde sehen, wie weite Sprünge du mit deiner Weisheit vor mir machen wirst! - Frage: 'Ist Gott allgegenwärtig oder nicht?

Kapitel 198

01] Johannes antwortet: »Allerdings, Seinem Gottwesen und Willen nach ist Gott unendlich und somit auch allgegenwärtig. Aber als wesenhafter Gottmensch und wahrster Vater Seiner Kinder wohnt Er nur unter Seinen Kindern im Himmel der Himmel!«

02] Spricht Satan: »Gut, du bekennst sonach die Allgegenwart Gottes unwiderruflich. So sage mir gefälligst auch, ob Gott allerhöchst weise und durchaus gut ist und daraus allwissend und allsehend? Und wählt Er zur Erreichung Seiner Zwecke zufolge Seiner höchsten Weisheit und endlosen Güte wohl auch alle Male die besten und tauglichsten Mittel?«

03] Antwortet Johannes: »Allerdings; denn Gott ist in Sich die reinste Liebe, und diese kann nicht anders als ewig durchaus gut und allerhöchst weise sein! Ich weiß aber schon, wo du hinauswillst; aber frage nur zu, ich werde dir keine Antwort schuldig bleiben!«

04] Spricht Satan weiter: »Hat Gott wohl alles erschaffen, was die Unendlichkeit faßt? Oder gibt es noch irgendeinen anderen Gott, der das, was ihr 'böse' und 'schlecht' nennt, zwischen das von deinem guten Gott Erschaffene gemengt hat? Oder hat der eine gute Gott aus Sich heraus wohl Gutes und Böses erschaffen können?«

05] Spricht Johannes: »Im Anfang alles Werdens und Seins war das Wort, das Wort war bei Gott, Gott war das Wort, und alle Dinge sind durch dasselbe gemacht. Dies Wort ist dann auch Selbst Fleisch geworden und hat unter dem geschaffenen Fleische Wohnung genommen; aber die Finsternis der Welt hat es nicht erkannt.

06] Der Herr Selbst kam, alles neu zu schaffen, zu den Seinen in Sein Eigentum. Aber diese Seinen erkannten nicht das Licht, die Weisen der Welt nicht das ewige Wort und die Kinder nicht ihren ewigen heiligen Vater. Denn du ganz allein hieltest aller Welt Sinne gefangen, auf daß sie Den ja nicht erkennte, der da von Ewigkeit war, ist und ewig sein wird alles in allem!

07] Da aber Gott allein Schöpfer aller Dinge ist und es außer Ihm keinen Gott irgendwo gibt, so ist auch klar, daß alles, was aus Seiner Hand hervorging, unmöglich anders als nur gut und vollkommen sein konnte.

08] Alle Geister gingen von Ihm aus so rein und gut, wie Er es Selbst ist. Aber Er gab den Geistern die vollste Freiheit des in sie gehauchten Willens, demzufolge sie alles tun konnten, was sie wollten. Und um sie den Gebrauch dieser Gaben zu lehren, gab Er mit dem freiesten Willen auch durch Ihn Selbst geheiligte Gesetze, die sie entweder beachten oder auch nicht beachten konnten.

09] Und siehe, alle beachteten die Gesetze bis auf einen! Dieser eine und erste, mit dem größten Erkenntnislichte begabt, verschmähte die Gesetze Gottes aus seinem freien Willen heraus und widerstrebte ihnen, nicht achtend der Folgen!

10] Dieser Geist verkehrte sonach in sich die göttliche Ordnung mittelst seines freien, ihm von Gott eingehauchten Willens. Auf diese Weise ist er gegenüber jenen Geistern, die ihren ebenso freien Willen nicht mißbraucht haben, widerordentlich geworden und für sich selbst böse und schlecht. Und er mußte sich dann, durch sich selbst genötigt, von der Gesellschaft entfernen auf so lange, bis er nicht freiwillig umkehren und eintreten wird in jene Ordnung, die der Herr allen Geistern gleich gegeben hat, nämlich die Ordnung der Liebe.

11] Gott und uns allen nun rein himmlischen Geistern gegenüber aber kannst du als der widerordentlich gewordene Geist unmöglich böse sein, da du uns ewig nie schaden kannst. Böse und schlecht bist du nur gegen dich selbst, weil du ganz allein nur dir schadest, solange du in deiner Widerordnung verharrst.

12] Du hast mich nun fangen wollen. Denn du meintest, ich werde genötigt sein zu sagen, daß Gott auch Böses erschaffen habe, weil du als ein böser Geist auch ein Geschöpf Gottes bist. Aber wo du hindenkst, bin ich schon um eine Ewigkeit voraus und kenne schon zu gut alle deine kniffliche Weisheit! Daher rate ich dir auch ernstlich: behalte deine künftigen, noch allfälligen Fragen, so sie auf meinen Fang gezielt sein sollten, denn mit mir wirst du ewig keine Wette gewinnen!

13] Ich sehe es deinen Schalksaugen an, daß du mir am Ende deiner Fragen sehr gerne bewiesen hättest, daß wir im Ernste von Gott die unreinsten und Seiner unwürdigsten Begriffe hätten. Dies, da wir bei unseren Erkenntnissen am Ende doch selbst bekennen müßten: es gäbe entweder zwei Götter - einen guten und einen bösen -, oder der eine Gott sei ein Zwitter und somit ein Pfuscher Seiner Werke. Aber siehe, dem ist nicht also, sondern gerade, wie ich es dir nun gezeigt habe.

14] Wohl aber wäre Gott dann unvollkommen, so Er den geschaffenen Geistern nur einen gerichteten und keinen vollkommen freiesten Willen hätte einhauchen können. Davon lieferst aber du selbst den allermächtigsten Gegenbeweis! Denn wie ungeheuer frei und vollkommen Gott alle Geister und damit auch dich erschaffen hat, ist eben daraus am hellsten zu ersehen, daß du, obschon kreuz und quer dem Außen nach gerichtet, dich doch dem Schöpfer schnurgerade entgegenstemmen kannst, solange du nur willst. Du kannst aber auch ebensogut wie wir alle vollkommen frei nach dem Willen des Herrn handeln!

15] Ich sage dir, im ganzen Himmel gibt es keinen Geist, der einen größeren Beweis für die unbegrenzteste Vollkommenheit Gottes geben könnte, als gerade du! Du bist sozusagen das größte Meisterwerk des Herrn und kannst daher auch dem Herrn gegenüber kein Pfuschwerk sein!

16] Daraus aber muß nun auch klar sein, daß du mich mit deiner Verkehrtheit nie fangen wirst; denn was du weißt, das weiß ich schon lange! Und das ist wieder ein neuer Beweis für die endlose Vollkommenheit Gottes, daß ich - als ein aus deinem Wesen gelöster Geist - dir in all deinem Wollen auf das mächtigste widerstehen kann!

17] Was sagst du nun? Hast du etwa für mich noch einige Fangfragen in Bereitschaft? Nur heraus mit ihnen, ich werde dir jede gehörig beantworten!«

18] Hier stutzt Satan gewaltig und kommt in große Verlegenheit; denn er findet nicht, was er nun dem mächtigen Johannes erwidern soll.

Kapitel 199

01] Da Satan nun mit keiner Frage mehr zum Vorscheine kommt und sein Gesicht mehr einen dumm-verdutzten als eigentlich bösen Charakter annimmt, spricht Johannes weiter:

02] »Satan, nun, wie ist es denn? Hast du denn keine Fragen mehr? Ich wäre nun gerade von ganzem Herzen aufgelegt, dich mit Antworten förmlich einzugraben! Aber du schweigst, und ich muß daraus schließen, daß du mit deiner Weisheit ziemlich zu Ende bist und dein väterliches, von dir gewaltsam erzwungenes Erbe bis auf den letzten Heller vergeudet sein dürfte. Was meinst du in dieser Hinsicht?«

03] Spricht nach einer Weile sehr kreischend der Satan: »Da hat's noch lange Zeit! Glaube es mir, meine Weisheit ist noch gar sehr unendlich! Ich könnte dir noch eine unendliche Frage stellen; aber wie würdest du, endlicher Geist, sie mir je beantworten? Und so schweige ich lieber, da ich einsehe, daß das rein Unmögliche meiner Sättigung von dir auch unmöglich zu verlangen ist. Ein kleiner Tautropfen kann wohl einer Mücke Durst löschen, aber einer Zentralsonne wird er wohl schwerlich genügen! Du wirst wohl ungefähr verstehen, was ich mit dieser Parabel andeuten will?«

04] Spricht Johannes: »O ja, ohne viel Mühe und Kopfzerbrechen; aber ich entnehme daraus noch mehr, als du glauben dürftest! Ich ersehe daraus auch, daß du, so dir dein vermeintlicher Weisheitsfaden vollends ausgegangen ist, sogleich wieder zu deinem alten lügenhaften Hochmut Zuflucht nimmst und willst dich damit selbst befriedigen. Aber siehe, es tut sich so etwas nun doch nicht mehr.

05] Miß meinen und dann deinen Umfang, und du wirst dich leicht überzeugen, wie es nun mit unserer beiderseitigen Unendlichkeit steht! Ich meine, was sich mit Elle und Zirkel bemessen läßt, da ist die Unendlichkeit nicht gar zu weit her! Und so steht es auch mit deiner und meiner Unendlichkeit. Ich sage dir, wer sich für unendlich dünkt, der versteht nicht, was die Unendlichkeit ist. Oder er ist ganz und gar ein Narr und kann demnach um so weniger fassen, was die Unendlichkeit in jeder Beziehung ist.

06] Schau, schau, du hast ehedem von einer unendlichen Frage gefaselt! Würdest du mit ihr wohl je fertig werden? So aber deine Frage ewig kein Ende nähme, wann sollte dann die gleichfalls unendliche Antwort ihren Anfang nehmen? Das mußt du nun doch einsehen, daß solch hochtrabende Reden aus deinem Munde heraus nichts als die unsinnigsten Faseleien sind! Oder siehst du das wirklich nicht ein?«

07] Spricht Satan: »Ich sehe alles ein, so ich's will. Aber ich will manches geflissentlich nicht einsehen, und das bloß darum, weil es mir als einem Herrn der Herrlichkeit nicht beliebt! Verstehst du diese meine Sprache?«

08] Spricht Johannes: »O ja, das ist eine alte, uns allen nur zu bekannte Sprache. Aber diese Sprache hören wir nicht mehr an, sondern gebieten dir jetzt, diese Welt mit deiner Zentralwesenheit zu verlassen und dich im Namen des Herrn zur Erde auf den dir bestimmten Ort zu begeben! Wirst du dort ruhig sein, so soll dir kein weiteres Leid zukommen.

09] Wirst du aber voll Unruhe und Bosheit sein, da wirst du dir es dann nur selbst zuzuschreiben haben, so dir der Herr die Schärfe Seines Zornes zum Verkosten geben wird!«

10] Spricht Satan: »Liebe Freunde, tut ihr mir nur das nicht an; denn vor der Erde graust mir nun wie vor einem ekelhaftesten Aase! Belaßt mich hier! Ich verspreche euch, mich für ewig wie ein Stein ruhig zu verhalten; nur von hier treibt mich nicht!«

Kapitel 200

01] Spricht Johannes: »Höre, du sprichst, daß es dich vor der Erde ärger denn vor einem ekelhaftesten Aase graue! Das kommt mir ganz sonderbar vor! Bist du es doch, der mit seiner tiefsten Weisheit und großherrlichsten Meisterschaft die Erde so zugerichtet hat, wie sie nun bestellt ist! Wie kann es dich dann gar so ekeln vor deiner Weisheit Meisterwerke?

02] Siehe, ich habe durch die Gnade des Herrn auch schon so manchem Werkchen ein Dasein bereitet. Aber ich habe noch bei keinem irgendeinen Grund gefunden, mich desselben zu schämen oder gar einen Ekel vor ihm zu haben!

03] Derselbe Fall ist auch bei meinen zahllosen himmlischen Brüdern und Schwestern, und doch hat sich noch nie eines von uns gleich dir mit übergöttlicher Weisheit und Macht gebrüstet. Wir alle rühmen uns nie außer der Gnade des Herrn. Alle unsere Werke sind lieblich vor dem Herrn und herrlich in jeder Art und Weise, und wir haben die gerechteste Ursache, uns ihrer zu freuen! Wie kommt es hernach, daß dir deine hochweisen Machwerke ein Ekel sind?«

04] Spricht Satan: »Ist denn die Erde mein Werk? Steht es nicht geschrieben: 'Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde?' Wie wäre denn dann die Erde mein Werk?«

05] Spricht Johannes: »Oho, wie wechselst denn du nun deine Rede? Sagtest du nicht wie oft schon, daß du nicht nur der eigentliche Schöpfer der Erde und der ganzen Unendlichkeit seist, sondern das alles wärst du im Grunde selbst!

06] So weiß ich mich auch gut zu erinnern jener großen Zeit der Zeiten der Erde, wo du dir die allerfrechste Freiheit nahmst, den Herrn, deinen Gott und Schöpfer, auf eines hohen Berges Spitze zu führen und da Ihm zu sagen: 'Siehe, das alles ist mein! Alle Reiche dieser Erde will ich dir geben, so du vor mir niederfällst und mich anbetest!' - So du aber da die Erde dein nanntest, wie ist sie denn hernach nun wieder ein Werk des Herrn? Sage, wann hast du gelogen: damals oder jetzt?«

07] Spricht Satan: »Ich bitte dich, beschäme mich nun nicht so gewaltig! Ich gestehe ja, daß ich damals und auch jetzt mehr oder weniger gelogen habe, weil es schon so in meiner Natur liegt! Ich gestehe auch, daß ich viel schuld daran bin, daß nun die Erde so ekelhaft aussieht. Aber verschone mich nun mit derlei Vorhaltungen und gib mir Ruhe! In Zukunft wirst du nie wieder Ursache haben, mit mir armem Teufel so zu grollen!«

08] Spricht Johannes: »Welche Garantie aber gibst du uns nun, daß wir dir glauben könnten?«

09] Spricht Satan: »Du weißt ja, daß es schon von altersher gelautet hat, daß in mir keine Wahrheit ist. Wenn aber also, womit könnte ich dir Garantie leisten? Dein Wille sei mein Gericht, so ich mein Wort breche! Das ist alles, was ich dir zur Sicherung meines Versprechens geben kann!«

10] Spricht Johannes: »Nicht mein, sondern des Herrn Wille sei dein Gericht, und so bleibe denn nach deiner Bitte!«

11] Hierauf beruft Johannes alle Anwesenden und spricht zu ihnen: »Brüder, ihr wißt, daß ein Kontrakt zwischen einem Redlichen und einem der Unredlichkeit Verdächtigen Zeugen benötigt, damit durch sie der Kontrakt volle Rechtskraft erhält. Ihr habt nun alles gehört und gesehen, was hier vorgefallen ist und geredet wurde und zu welchem Zweck. Des Zeugnisses halber seid ihr vom Herrn aus hierher mitgekommen, so wie Martin und ich des Wortes und der Schlichtung und auch des Zeugnisses wegen. Darum sollt ihr alle ein ewiges lebendiges Zeugnis verbleiben dessen, das ihr hier gesehen und gehört habt. Und euer Zeugnis soll wahr sein ewig vor dem Herrn und vor allen Seinen Himmeln und Kindern!«

12] Sprechen die Zeugen einmütig: »Ja, so wahr unser Leben ist ein Leben aus Gott!«

13] Spricht darauf Johannes zum Satan: »Unser Kontrakt ist nun durch ewig wahrhaftige Zeugen bekräftigt und sanktioniert; daher halte dein Versprechen! Wehe dir aber, dreimal Wehe, so du nach deiner alten Art dein Versprechen nicht halten wirst!«

14] Spricht Satan: »Wozu so viel Aufhebens? Zeige mir nur einen Platz an, und ich sage dir: komme nach Dezillionen Sonnenjahren und du wirst mich finden, wie du mich nun verlassen wirst!«

15] Spricht Johannes: »Gut, also sei es denn! Dort zwischen den zwei Bergen siehst du einen Rasen, ganz hoffnungsgrün. Dorthin begib dich, und ruhe im Namen des Herrn Jesu, des Gesalbten von Ewigkeit!«

16] Bei dem Namen 'Jesus' springt der Satan wie ein Blitz von dannen und nimmt unter einem starken Geheul den angezeigten Platz ein. Alle die Gesandten aber kehren nun wieder heim.

J. Lorber: "Bischof Martin"


[Jakob Lorber]