Von der ewigen Verdammnis
empfangen durch Jakob Lorber

Jesus zu einem Schriftgelehrten, der es nicht für geraten hält, von einer möglichen Erlösung eines Sünders aus der Hölle zu sprechen: "O ihr Narren! Gibt es wohl einen Vater von nur einiger Liebe zu seinen Kindern, der ein Kind, das gegen sein Gebot einen Fehler beging, auf lebenslänglich in einen Kerker werfen ließe und es dazu noch züchtigen lassen möchte alle Tage, solange es lebte?! Wenn aber das ein menschlicher Vater nicht tun wird, der im Grunde als Mensch doch schlecht ist, um wieviel weniger wird daß der Vater im Himmel tun, der die ewige und purste Liebe und Güte Selbst ist!"
Ev. Bd.6, Kap. 243, 9

Floran, ein von Jesus bekehrter, verwirft die Lehre von ewiger Verdammnis und Pein: "Die Geschichte weist uns aber kein Beispiel auf, daß je irgendein Tyrann ein Weiser gewesen sei; und was könntest du und dein Gott mir erwidern, so ich euch bewiese, daß ihr höchst unweise statt höchst weise wäret?! Das aber kann niemand von Gott behaupten, der nur je einen Blick in die höchst weise Einrichtung eines jeglichen Geschöpfes getan hat! Gott ist demnach höchst weise und darum sicher auch höchst gut.
Mit solchen allervollkommensten Eigenschaften ausgerüstet, kann Er aber auch unmöglich je irgend in der ganzen Unendlichkeit ein Geschöpf für eine ewige Qual geschaffen haben! Ah, durch allerlei bittere und schmerzhafte Erfahrungen ein Wesen reinigen, hier oder jenseits, das ist ganz etwas anderes; denn der Mensch ist ein Gotteswerk, das sich nach der weisesten Ordnung Gottes selbst in der sittlichen Sphäre zu vollenden hat, um das zu werden, wozu es vom Schöpfer bestimmt ist! Aber solche nur kurz dauernden schmerzlichen Besserungsmomente läßt der Schöpfer nur zu und erschafft sie nicht eigens, um zu Seinem Vergnügen einen Menschen für einen Fehltritt dann eine Zeitlang zu plagen, sondern um ihn nur zur nüchternen Erkenntnis der Ordnung zurückzuführen und ihm dadurch die Selbstausbildung zu erleichtern. Aber als eine diktatorische Strafe kann ich solch eine rein göttliche Vorsichtsmaßregel, aus der nur Liebe und ein höchstes Wohlwollen strahlen, ewig nie ansehen!
Du kannst daher Gott nicht ärger beschimpfen, als so du Ihn als einen ewigen Tyrannen mir vorstellst! - Ich meine, daß du mich wirst verstanden haben! Ich kann Gott nur über alles lieben und Ihn als das heiligst beste und weiseste Wesen anbeten; aber fürchten ewig nimmer!"
Ev. Bd. 3, Kap. 157, 12-16

Der Erzengel Raphael: "Daß aber dann auch jenseits vom Herrn in der ordnungsmäßigen Art alles Mögliche zugelassen wird, um eine verdorbene Seele zu heilen, kannst du dir wohl denken; denn der Herr hat keine Seele fürs Verderben, sondern nur für die möglichste Lebensvollendung erschaffen. Aber das kannst du dir auch merken, daß da im ganzen, unermeßlichen Schöpfungsraume keine einzige Seele durch ein irgend unvermitteltes, ganz unbedingtes Erbarmen zu einer Lebensvollendung gelangen kann, sondern nur durch ihren höchst eigenen Willen! Der Herr läßt dem Menschen wohl allerlei Hilfsmittel in die Hände spielen; aber dann heißt es beim Menschen, diese als solche erkennen, sie mit dem eigenen Willen ergreifen und selbst wie ganz eigenmächtig gebrauchen!"
Ev. Bd. 5, Kap. 97, 6

Ein römischer Oberrichter, erschüttert durch die höllische Erscheinung seines herrsüchtigen, grausamen Vaters aus dem Jenseits, fragt: "O Herr und Meister alles Seins und Lebens! Wird es denn mit solch einer Seele ewig nimmer besser werden? Wird sie nimmerdar zu einem besseren Lichte kommen, auch das mit ihm haltende Seelenvolk des Jenseits nicht?" Ihn belehrte Jesus mit freundlicher Miene: "Freund, bei Gott sind alle Dinge möglich, wenn sie dem Menschen auf dieser Erde auch noch so unmöglich vorkommen; doch das Wie und Wann wirst du erst dann einsehen, so es dir Mein Geist der ewigen Liebe und Wahrheit in deiner Seele selbst verkünden wird."
Ev. Bd. 9, Kap. 169, 25-26

Der Evangelist Markus zu einem die ewige Verdammnis fürchtenden Prior im Jenseits: "Wer hat dich denn zur Hölle verdammt? Meinst du, die Boten der ewigen Liebe werden solches tun? Wenn du dich selbst nicht verdammst durch deinen unbeugsamen Sinn, und wenn du, wie ich es sehe, Liebe zum Herrn in dir empfindest, wo ist wohl da derjenige, der über alles das die Macht hätte, dich zur Hölle zu verdammen? Meinst du, der Herr sendet Seine Boten der Verdammnis wegen? O da bist du noch in einer großen Irre! Der Herr sendet Boten nur der Erlösung, aber ewig nie der Verdammnis willen! Daher kümmere dich nicht mehr um Törichtes, sondern mache deine Liebe zum Herrn hell auflodern und gehe hin in solcher Liebe zu deinen Brüdern und führe sie alle aus ihren Gefängnissen hierher, und du wirst dann erst erfahren, wie der Herr Seine Kinder richtet."
GS, Bd. 1, Kap. 86, 14-15

Jesus zu Robert Blum im Jenseits: "Aber nun siehe zweitens - den Punkt deiner vermeinten ewigen Verdammnis, die nach dem Tode des Leibes den durch Gott-zugelassene, schlechte Regenten verdorbenen und also ohne eigenes Verschulden schlecht gewordenen Menschen zuteil werden solle! Da muß Ich dir, der Ich doch, wie nicht leicht ein anderer, alle Verhältnisse der Geisterwelt genauest kenne, offen gestehen, das Mir dergleichen Begebnisse noch nie vorgekommen sind. Ja die ganze Ewigkeit kann dir in Wahrheit auch nicht einen Fall vorweisen, wo nur ein Geist von Gott aus verdammt worden wäre! Aber zahllose Fälle kann Ich dir vorführen, wo Geister nur zufolge ihrer vollsten Freiheit die Gottheit verabscheuen und verfluchen und um keinen Preis von deren endlosester Liebe abhängen wollen, da sie selbst Herren, sogar über die Gottheit, zu sein sich dünken! Wenn aber freieste Geister bei dem tatsächlich allerhartnäckigst verharren und durch gar kein ihrer Freiheit gegebenes freies Mittel, also durchaus nicht durch sich selbst, von ihrem verderblichsten Wahne zu heilen sind und sich eher aller Bitterkeit und Herbe, die sie sich selbst bereiten, für ewig unterziehen wollen, als sich auch nur ein allersanftestes Gebot von der Gottheit gefallen zu lassen - sage, kann da wohl die Gottheit an solch einer Selbstverdammnis die Schuldträgerin sein?!"
Rbl. Kap. 24, 5 u.8

"Nur eines geht mir noch ab zur vollen Ruhe meines Herzens, und das ist eine Aufhellung über den fast in allen christlichen Religionssekten vorkommenden Begriff von einer sogenannten ewigen Strafe. Gibt es eine solche, oder gibt es keine? Denn so man für die irdischen Minuten ehrlichen und rechtlichen Lebenswandels eine ewige Belohnung erhält, so kann man nicht leichtlich umhin, auch anzunehmen, daß es gegenüber einer ewigen Belohnung auch füglicherweise eine ewige Strafe geben müsse. Denn gebührt hier im Reiche der Geister einer kurzen edlen Tat ein ewiger Lohn, so gebührt dem gegenüber auch für eine kurz dauernde böse Tat ein ewiger Strafzustand in der Hölle oder wo immer. Ich finde diese Annahme ganz logisch richtig."

Sage Ich [Jesus]: "Du schon, aber Ich nicht - weil Ich mit all dem, was Ich geschaffen habe, doch unmöglich mehr als nur einen Zweck vor Augen haben konnte! Da Ich Selbst das ewigste Leben bin, so kann Ich ja doch nie Wesen für den ewigen Tod erschaffen haben! Eine sogenannte Strafe, wo sie auch immer vorkommen mag, kann daher (stets) nur ein Mittel zur Erreichung des einen Grund- und Hauptzweckes, ewig nie aber eines gleichsam feindseligsten Gegenhauptzweckes sein! Daher denn auch von einer ewigen Strafe nie die Rede sein kann! - Verstehst du, lieber Bruder, nun dieses?"
Spricht Joseph: "Ja, Dir, o Herr, ewig Dank, Liebe, Lob und Ehre, das verstehe ich nun ganz! Und es wäre mir nun nahe unmöglich, es nicht zu verstehen. Aber in der Schrift, und zwar (in Worten) aus Deinem allerheiligsten Munde selbst stehet es nur zu deutlich geschrieben von einem ewigen Feuer, das nimmerdar erlischt, von einem Wurme, der nimmer stirbt! Ja, es stehet geschrieben: »Weichet von Mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Dienern bereitet ist!« Ja Herr, ich kenne eine Menge Texte, wo der Hölle und ihres ewigen Feuers sehr handgreiflich gedacht wird. So es denn nun aber keine ewige Strafe gibt, ja, so es sogar von dem Sträfling selbst abhängt, in derselben zu verbleiben, so lange er mag und will - da sehe ich denn durchaus nicht ein, wie da von einem ewigen Feuer, das nimmer erlischt, und von einem Wurme, der nimmer stirbt, in der Schrift die Rede sein kann."

Rede Ich: Mein liebster Freund und Bruder! Es steht wohl geschrieben von einem ewigen Tode, welcher da ist ein ewig festes Gericht, und dieses Gericht gehet hervor aus Meiner ewig unwandelbaren Ordnung. Diese aber ist das sogenannte Zorn- oder besser Eiferfeuer Meines Willens, der ganz natürlich für ewig also unwandelbar verbleiben muß, ansonst es mit allem Geschaffenen auf einmal völlig aus wäre. "Wer sich nun von der Welt und ihrer Materie hinreißen läßt (die doch notwendig gerichtet sein und bleiben muß, ansonst sie keine ,Welt' wäre), der ist freilich so lange als verloren und tot zu betrachten, als er sich von der gerichteten Materie nicht trennen will. Es muß also der Geschaffenen wegen wohl ein ewiges Gericht, ein ewiges Feuer und einen ewigen Tod geben. Aber darin liegt nicht die Folge, daß ein im Gericht gefangener Geist so lange gefangen verbleiben muß, als dieses Gericht an und für sich dauern kann - so wenig wie auf Erden, so du ein allerfestestes Gefängnis erbaut hättest, das gleich einer ägyptischen Pyramide Jahrtausenden trotzen mag, die Gefangenen deshalb (nun auch) auf die ganze mögliche Dauer des Gefängnisses verurteilt werden sollen.

"Ist denn nicht ,Gefängnis' und ,Gefangenschaft' für jedermann ersichtlich - zweierlei?! Das Gefängnis ist und bleibt freilich ewig und das Feuer Meines Eifers darf nimmer erlöschen; aber die Gefangenen bleiben nur so lange im Gefängnisse, bis sie sich bekehrt und gebessert haben.
"Übrigens steht in der ganzen Schrift aber auch nicht eine Silbe irgendwo von einer ewigen Verwerfung oder Verdammnis eines Geistes, sondern nur von einer ewigen Verdammnis der Nichtordnung gegenüber Meiner ewigen Ordnung, die notwendig ist, weil sonst nichts bestehen könnte. Das Laster als Unordnung oder Widerordnung ist wahrlich ewig verdammt, aber der Lasterhafte nur so lange, als er sich im Laster befindet! Also gibt es auch in aller Wahrheit eine ewige Hölle, aber keinen Geist, der seiner Laster wegen ewig zur Hölle verdammt wäre, sondern nur bis zu seiner Besserung! - Ich habe wohl zu den Pharisäern gesagt: »Darum werdet ihr desto mehr oder eine desto längere Verdammnis überkonmmen!« - aber nie: »Darum werdet ihr auf ewig verdammt werden!« - Verstehst du nun deine so gefährlich aussehenden Schrifttexte? Oder verstehst du etwas noch nicht?"
Rbl. Bd. 2, Kap. 226, 6-12

Unter "Abhandlungen" finden Sie weitere ausführliche Informationen zur Irrlehre der "ewigen Verdammnis"


[Jakob Lorber]