Schwierigkeiten der jenseitigen Seelen
empfangen durch Jakob Lorber

Jesus: "Jeder suche daher vor allem zu retten seine Seele! Denn Ich sage es allen, daß es jenseits also sein wird: Wer da hat die Liebe, die Wahrheit und also die rechte Ordnung Gottes in sich, dem wird dort alsogleich noch gar vieles hinzugegeben werden; wer aber das nicht hat oder viel zuwenig hat, dem wird auch noch das, was er allenfalls noch hat, genommen werden, auf daß er dann gar nichts habe und nackt, mittellos und somit ohne Hilfe dastehe. Wer wird sich da seiner erbarmen und für ihn geben eine Löse?! Wahrlich, sage Ich euch: Hier zählt eine Stunde mehr denn dort tausend Jahre! - Diese Worte schreibet euch tief ins Herz; aber vorderhand behalte sie ein jeder bei sich!"
Ev. Bd. 6, Kap. 13, 10

Jesus: "Was nützete es dem Menschen, so er mit diesem Erdenleben die ganze Welt gewönne, aber Schaden litte an seiner Seele? Was kann ein solcher Mensch dann geben, seine Seele zu lösen? Darum muß der Mensch dieses Leibesleben ja allein nur dazu benutzen, daß er dadurch das ewige Leben der Seele gewinnt. Benutzt ein Mensch sein Leibesleben nicht vor allem dazu, so ist er selbst schuld daran, wenn er das Leben seiner Seele verwirkt oder es mindestens so weit schwächt, daß sie hernach jenseits oft eine überaus lange Zeit zu tun hat, um sich so weit zu sammeln, daß sie dann in ein nur etwas helleres und besseres Geistleben überzugehen imstande ist. Denn solange eine Seele noch mit einiger Liebe an ihrem Leibesleben und seinen Vorteilen hängt, kann sie im Geiste auch nicht völlig wiedergeboren werden; eine Seele aber, die in ihrem Geiste nicht völlig wiedergeboren ist, kann auch ebensolange nicht ins wahre Reich Gottes eingehen, weil darin kein Atom von etwas Materiellem bestehen kann."
Ev. Bd. 6, Kap. 162, 11

Jesus: "Versteht sich ja von selbst, daß Gott, als die höchste und purste Liebe von Ewigkeit unverändert gleich, nimmerdar irgend lieblos sein kann, und daß Sie alle Ihr zu Gebote und zu Diensten stehenden Mittel auf das allerlebhafteste anwenden wird, um irgendeine wie immer kranke Seele zu heilen. Aber der Seele ihr eigenes charakteristisches Ich kann Sie nicht nehmen, sondern muß es belassen und die Seele in solche Zustände kommen lassen, die sie, wenn sonst alles nichts nützt, durch eine Art Witzigung zurechtbringen! In einem äußersten Falle kann dieser Weg freilich nur ein äußerst langwieriger werden; aber es trägt dann niemand die Schuld als die zu sehr starr- und eigensinnig gewordene Seele, die freilich das zumeist nur infolge dessen wurde, was Ich euch von ihrer Unvollkommenheit ehedem erzählt und erklärt habe."
Ev. Bd. 4, Kap. 243, 2-3

Jesus: "Mit welchem Maße ihr ausmesset, mit demselben Maße wird es euch dereinst wiedervergolten werden! Wer mit wahrer Liebe mißt, dem wird es auch also zurückgemessen werden; wer aber in Zorn und Rache mißt, dem wird dereinst zu seiner Heilung ganz dieselbe Arznei im sehr verdoppelten Maße wiedergereicht werden, und er wird nicht um eine Sekunde eher aus der jenseitigen bittersten Anstalt entkommen, als bis jede harte Fiber an seiner Seele weiß und weich wie Wolle gemacht worden ist!"
Ev. Bd. 4, Kap. 38, 5

Jesus: "Es wird aber die Seele ihren verstümmelten Leib ablegen müssen; was wird sie dann jenseits machen in ihrer vollsten Schwäche und gänzlichen Untätigkeit? Dort werden dann doch die Prüfungen aller Art über sie kommen, die sie zur vollen und wahren Lebenstätigkeit aneifern sollen, und diese Prüfungen werden für die mit ihren schon diesirdischen Fähigkeiten ausgestattete Seele ganz entsprechend dieselben sein, die sie hier waren, aber für die pure Seele sicher notwendig stärker denn hier, weil jenseits das, was eine Seele denkt und will, sich auch schon wie in der Wirklichkeit vor sie hinstellt. Hier hat sie nur mit ihren unsichtbaren Gedanken und Ideen zu tun, die sie leichter bekämpfen und sich auch deren entschlagen kann: aber wo die Gedanken und Ideen zu einer wohl sichtbaren Realität werden - frage -, wie wird die schwache Seele da wohl ihre eigengeschaffene Welt bekämpfen? Wen hier der pure Gedanke zum Beispiel an seines Nachbarn schönes junges Weib schon mit allen brennenden Leidenschaften erfüllt, wie wird es dem dann ergehen, so ihm der Gedanke des Nachbarn Weib ganz nach seinem Wunsche und Willen in der vollsten, wennschon nur scheinbaren Wirklichkeit darstellen wird?!"
Ev. Bd. 7, Kap. 156, 8-10

Jesus: "Wer aber die volle Wahrheit einer Offenbarung annimmt und sie mit seinem Verstande klar einsieht, aber eigenwillig dagegen handelt, der sündigt und verdirbt dadurch sein Leben auch jenseits auf eine für euch oft undenkbar lange Zeitenfolge; denn der ist allen inneren Lichtes bar, da er weder seiner absoluten Vernunft, noch der wohlverstandenen Offenbarung willig Folge geleistet hat. Wenn aber eine Seele also durch ihr eigenes Verschulden in die dickste Lebensfinsternis gelangt, so kann ihr Gott mit aller Seiner Allmacht auch nicht helfen, sondern muß sie in ihrem eigenen Zustande belassen, so lange, bis sie noch immer möglicherweise in sich anfängt, zu einiger Erkenntnis zu kommen. Ist das der Fall, so hat Gottes Liebe und Weisheit der geeignetsten Mittel und Wege in endlosester Fülle, solch eine Seele auf die unbemerkbarste Art zurechtzubringen. Und siehe, also steht das Verhältnis zwischen Gott und allen Menschen auf dieser Erde, welche da ist, um die Kinder Gottes zu tragen."
Ev. Bd. 6, Kap.204, 11-12

Jesus: "Aber selbst solch eine Fleischseele stirbt eigentlich nach dem schmerzvollen Abfalle des Leibes nicht, sondern lebt fort in der Geisterwelt; aber ihr Fortleben ist dann ein ebenso mageres wie ihr Erkennen und Selbstbewußtsein in einer rein geistigen Sphäre. Nun, solch eine Seele lebt dann jenseits freilich nur so wie in einem etwas helleren Traume fort und weiß oft nicht, daß sie je in einer anderen Welt schon einmal gelebt hat, sondern sie lebt und handelt ihrer gewohnten Sinnlichkeit gemäß. Und wird sie von helleren, sich ihr offenbarenden Geistern dahin ermahnt und belehrt, daß sie sich nun in einer anderen und geistigen Welt befindet, so glaubt sie das doch nicht und verhöhnt und verspottet die, die ihr die Wahrheit anzeigen."
Ev. Bd. 7, Kap. 58, 5

Jesus zu dem Römer Agrikola: "Wenn eine Seele das einmal einzusehen anfängt [ihren Zustand], so wird sie ihrer alten Bosheit selbst feind und fängt an, sie zu verachten und zu verabscheuen und sucht in sich selbst besser zu werden. Fällt sie dann und wann auch noch in eine alte Sünde zurück, so verharrt sie in derselben nicht sondern bereut sie und hat keine Sehnsucht, sie wieder zu begehen. So werden nach und nach ihre bösen Leidenschaften vermindert und abgekühlt, und es wird also denn auch lichter und heller in einer solchen Seele. - Aus diesen leicht begreiflichen Gründen geht es denn mit der wahren Besserung einer entarteten Seele jenseits wahrlich sehr langsam vor sich. Denn so eine Seele im Dasein erhalten werden soll, da darf Meine Allmacht nur insoweit auf sie einwirken, daß sie in solche Zustände ihres Lebens gerät, die ihr als eine notwendige Folge ihrer bösen Handlungen erscheinen müssen. Und nur eben dadurch ist es möglich, eine solche Seele in und aus sich wahrhaft und lebendig zu bessern. Ob früher oder später, das ist am Ende doch gleich vor Mir und gleich im Vergleiche mit der Ewigkeit."
Ev. Bd. 7, Kap. 119, 13 und 16

Jesus zeigt dem Römer Agrikola in einer geistigen Schau den durch Jahrtausende immer noch währenden Kampf zwischen den argen Seelen der mit Sodom und Gomorrha untergegangenen Menschen und den ihnen zu Hilfe eilenden Friedensgeister:

In diesem Augenblick hatte Agrikola schon das zweite Gesicht und schrie bald laut auf: "Herr, erlöse mich von dieser Anschauung; denn ich schaue da ja Gräßliches über Gräßliches! Oh, welche Gestalten! Was wären unsere eingebildeten Furien dagegen! Da ist ja der ganze See und die Luft bis weit über die Wolkenregion mit zahllosen Zerrbildern der schauderhaftesten Art voll angefüllt! Oh, da gibt es ja einen gar verheerenden Krieg, und das von einer solch nie erhörten Grausamkeit, wie auf der Erde unter Menschen noch nie einer geführt worden ist! Ja, was wollen denn diese Wesen damit bezwecken? Ich sehe aber auch eine ebenso große Menge weißer und ernst-schöner Wesen dahin eilen, und jene wahren Scheusale fliehen vor ihnen. Wer sind denn diese weißen Menschengestalten, die dahereilen zu der Stätte der Greuel über Greuel?" Sagte Ich: "Die gräßlichen Gestalten sind die einstigen Sodomiten. Durch solchen Kampf, den sie gegen Mich führen wollen, werden sie mehr und mehr gesänftet, wie auch durch die zu ihnen eilenden weißen Geister, die wir die Geister des Friedens und der Ordnung nennen wollen, in eine größere Ordnung gebracht. Der Wind aber, der nun für das Außengefühl ganz kühl von Norden her weht, ist eben nichts anderes als jene vielen weißen Geister, vor denen die grimmigen und bösen Feuergeister, die aus dem See kommen, fliehen. Wenn du dich nun satt geschaut hast, so sei wieder naturwach!"
Hier ward Agrikola gleich wieder im ganz natürlichen Zustande und sagte zu Mir: "Herr, Herr, seitdem Sodom und Gomorra mit den anderen zehn Städten unterging, werden wohl schon über anderthalbtausend Jahre vorübergegangen sein, und jene damals gelebt habenden Seelen sollen im Reiche der Geister noch zu keiner lichteren Erkenntnis gekommen sein?"
Sagte Ich: "Ja, du Mein Freund, da hast du nun einen ganz kleinen Beweis tatsächlich selbst geschaut, wie schwer es ist, jenseits eine gänzlich verdorbene Seele nur insoweit zu bessern, daß sie dahin zu einer geringen Einsicht und Erkenntnis kommt, daß sie so böse ist und als solche nie in einen freien und seligen Zustand kommen kann."
Ev. Bd. 7, Kap. 119, 7-12

Jesus: "Stirbst du aber als ein Ungerechter vor Gott, so wird dann wohl eine sehr lange Nacht zwischen deinem Leibestode und deiner wahren Auferstehung folgen - aber keine dir unbewußte, sondern eine der Seele wohl bewußte -, und das wird der Seele rechter und lange währender Tod sein. Denn ein Tod, um den die Seele nicht wüßte, wäre ihr auch kein Tod; aber der Tod, dessen sie bewußt sein wird im Reiche der unlauteren Geister, wird ihr zur großen Pein und Qual werden."
Ev. Bd. 7, Kap. 209, 13

Jesus: "Des Lebens Verhältnisse auf der Erde sind andere, als die dieser geistigen, ewig unvergänglichen Welt. Aber sie müssen so sein, damit auf ihnen dieses wahre, vollkommene Leben werden kann! Freilich wohl ist ein jeder noch im Fleische lebende Mensch berufen, schon auf der Erde durch die genaue Beobachtung Meines Wortes, das da hauptsächlich in den bekannten vier Evangelien geschrieben steht, die Bahn zu brechen, um sich dieses vollkommenen Lebens zu versichern. Aber da ein jeder Mensch, um ein ewig lebender Geist zu werden, auch seinen freiesten Willen hat und haben muß, so geschieht es denn, besonders in dieser Zeitenfolge, nur zu leicht und häufig, daß sich die Menschen ihre Ohren von der Sirenenstimme der Welt übertäuben und ihre Augen vom trügerischen Lichte des Weltglanzes blenden lassen. So kommen dann solche Menschen auf der Welt schwer oder oft auch wohl gar nicht dahin, wozu sie berufen sind, sondern gerade dahin, wohin sie eigentlich gar nicht kommen sollten, nämlich zur Eigenliebe, Selbstsucht, Herrschlust, Habsucht, Geiz, Neid, Fraß, Völlerei, Wollust, Unzucht und Hurerei! Diese Stücke aber verzehren das Leben, statt daß sie dasselbe mehreten. Und so kommt es dann, daß es nach der Ablegung des Fleisches gar vielen so ergeht, wie es dir und deiner Schar ergangen ist. Sie müssen dann in dieser Welt sehr verlassen werden von allem, was je ihre rohen Sinne zu sehr beschäftigt hatte, und müssen sehr elend werden, damit sich ihr Leben in solch geistiger Einöde und Wüste wieder sammeln und finden kann. Hat es sich gefunden, so wie das eurige nun, dann kommt auch die Hilfe, die da vonnöten ist aber doch so, daß sie nicht als aufgedrungen, sondern als rein von den Bedürftigen selbst verlangt erscheint."
Rbl. Bd. 1, Kap. 130, 6-7

Jesus: "Wer da sagt: 'Siehe, ich besitze viele Güter, habe große Schätze und setze allerlei neue und kunstvolle Dinge ins Werk; denn ich verschaffe mir Künstler von allen Weltgegenden, die allerlei Dinge zu schaffen verstehen!', dem sage Ich aber da: 'Wie lange wirst du denn alles das noch dein nennen können? Siehe, morgen schon kann man deine Seele vom Leibe nehmen, und was wird sie dann von allem dem, was du nun noch dein nennest, mit hinübernehmen?' Ich sage da: 'Gar nichts als nur das, was sie in dieser Welt irgend jemandem wahrhaft Gutes erwiesen hat! Hat sie aber das nicht, so werden ihr die hier verlassenen vielen Güter, Schätze und kostbaren Dinge jenseits eine große und schwer übersteigliche Scheidewand zwischen Meinem Reiche und ihrem Wesen aufstellen, da auf ihrer Seite viel Heulens und Zähneknirschens vorkommen wird.'"
Ev. Bd. 8, Kap. 97, 4


[Jakob Lorber]